17403 Editorial 4 2017

 

 

Holt das deutsche Gold nach Hause!
1.236 Tonnen lagern in Manhattan

Die spürbare Abkühlung zwischen Deutschland und den USA bedeutet einen historischen Wandel. Keiner weiß, wie lange der unberechenbare Donald Trump das wichtigste Führungsamt der westlichen Welt noch innehaben wird. Aber schon der Begriff „Westliche Welt” stimmt ja nicht mehr. Diese „Westliche Welt” ist am Auseinanderbrechen. So wie es keinen „Ostblock” mehr gibt, so löst sich auch der „Westblock” immer schneller auf. Mit der Wahl Donald Trumps wurde die politische Weltuhr umgestellt. Mit dem Ausgang der BREXIT-Abstimmung in Großbritannien ging es weiter. Donald Trumps Umdeutung der historischen NATO-Funktionen, seine Eskapaden in der Russlandpolitik und neuerdings auch in der Nahostpolitik machen den langjährigen Bündnispartnern in Europa große Sorgen. Und Deutschlands Handelsüberschüsse machen ihn neidisch und wütend. Er droht, er wolle das ändern. Von dem griechischen Begriff „Eskapade” stammt ja auch „to escape” = herauslösen, entkommen. Trump steuert eine solche Eskapade an, eine neue „splendid isolation” der USA. Sein immer wieder ausgerufenes „America first!” führt zu irrationalen Handlungsweisen. Vorsicht scheint geboten.
In dieser Situation muss es zunehmend besorgt machen, dass immer noch rund die Hälfte der deutschen Goldreserven im Ausland liegen: 1.236 Tonnen in den unterirdischen Tresoren der Federal Reserve New York, 432 Tonnen bei der Bank of England in London und 91 Tonnen bei der Banque de France in Paris. Diese Lagerung im Ausland stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Man wollte damals die deutschen Goldreserven vor einem befürchteten Zugriff der Russen schützen. Jetzt aber zeigt sich der Bundesrechnungshof alarmiert. Trump hat quasi den Schlüssel zu deutschem Gold im Wert von fast 70 Milliarden Dollar! Es liegt dort in 12,5 kg-Barren hinter dicken Mauern unter der Erde von Manhattan.
Ob es wirklich noch dort liegt und ob das auch so bleibt, weiß keiner wirklich ‒ in Berlin jedenfalls nicht. Schäuble gibt nur vage Auskunft. Die Bundesbank schweigt. Die Bundesregierung zaudert und hat ihre kleinen Rückhol-Aktionen vorerst eingestellt. Man will den Großen Bruder nicht erzürnen. Aber ist Donald Trump wirklich noch der „Große Bruder”? Was, wenn er das deutsche Staatsgold wütend beschlagnahmt, um die „ungerechten” Handelsüberschüsse auszugleichen? Das deutsche Gold in den Katakomben der Amerikaner weckt Begehrlichkeiten. Diese deutschen Goldreserven haben unsere Väter und wir und alle Deutschen in Jahrzehnten erarbeitet. Der Staat hat dieses Gold für uns alle als „Eiserne Reserve” zurückgelegt. Es gehört uns. Und niemandem sonst! Wir brauchen keine „Treuhänder”, von denen wir nicht wissen, wie treu sie tatsächlich noch sind. Holt es heim, unser Gold, und zwar vollständig und schnell!

Naheliegend: Seetransport
Nun gibt es in Berlin einige politische Bedenkenträger, die sagen: der Goldtransport von USA nach Deutschland sei viel zu teuer, wegen der Versicherungskosten und des Flugrisikos, und überhaupt würden Fluggesellschaften jeweils höchstens eine Tonne Gold transportieren. Einige wenige Tonnen habe man in den letzten drei Jahren ja schon zurückgeholt. Diese Transport-Ausreden scheinen mir nicht stichhaltig zu sein. Es müssten ja gar nicht über tausend Flüge sein, sondern e i n einziger gut geplanter und organisierter Schiffstransport. Wieso sollte es keinen deutschen Flottenbesuch beim NATO-Partner in New York geben, so wie in früheren Jahren ja auch und immer wieder? Warum sollte nicht etwa die Fregatte HAMBURG in Begleitung einiger U-Boote von Wilhelmshaven an den Hudson kommen und dort diskret und rasch beladen werden? Die angeblichen Transport-Probleme scheinen mir lösbar zu sein. Eher glaube ich der diplomatischen Ausrede, ein Abtransport der deutschen Goldreserven aus den USA sei derzeit politisch nicht „opportun”. Wenn nicht jetzt, wann denn dann?

Wer finanziert die amerikanische Hochrüstung?
Die Trumpsche Politik führt auch zu weiteren Konsequenzen. So arbeitet die amerikanische Rüstungsindustrie auf Hochtouren. Wer schlau ist, hat deren Aktien gekauft. Die Spirale dreht sich weiter. Wie soll diese Aufrüstungspolitik bei dem amerikanischen Haushaltsdefizit finanziert werden? Mit Gold? Mit Rüstungsexporten? Die Amis rüsten nicht nur sich selbst auf, sie beliefern auch andere mit einem Wahnsinns-Arsenal von Waffen aller Art. Allein Saudi-Arabien bekommt für über 100 Milliarden Dollar modernstes amerikanisches Kriegsgerät. Wozu? Einen entsprechenden Waffendeal haben Trump und die Saudis kürzlich in Riad unterzeichnet. Die USA werden im Gegenzug mit Gold und Geld und Millionen Tonnen Öl aus dem Mittleren Osten beliefert.
Dieses Erdöl wird mit griechischen Großtankern von den Pipeline-Terminals in Ras Tanura im Arabischen Golf in die USA und zu den weltweit verzweigten Stützpunkten der ARAMCO (Arabian-American-Corporation) befördert. Griechenland hat ja nach wie vor die größte Tankerflotte der Welt. Aber diese griechischen Reeder zahlen keinen Euro Steuern an ihr eigenes notleidendes Land. Die Milliarden Hilfsgelder für den griechischen Staat kommen ja – fast automatisch – von uns, von der EZB, von unseren Steuern also. Da können die Familienclans Onassis, Niarchos und etliche andere lieber ihre eigenen Inselwelten in der Ägäis, in der Karibik oder im Pazifik kaufen und ihre Milliarden in der Schweiz horten. Was kümmert die Tanker-Oligarchen die Not griechischer Rentner? Jamas!
Im Jemen werden die amerikanischen Prototypen der saudi-arabischen Aufrüstung gerade ausprobiert. Drohnen, Raketen, Marschflugkörper. Im Kampf gegen die Huthi-Milizen der Iraner. Der große Krieg wird dort schon mal geprobt. Weit abseits von ARD und ZDF und CNN. Das Fernsehen zeigt uns zwar erbärmliche Bilder von ausgemergelten Säuglingen, die an der jemenitischen Cholera verrecken. Das Fernsehen zeigt uns aber keine Bilder von der absichtlich zerstörten Wasserversorgung im Jemen. Brunnen, die vor den Bombenangriffen noch einigermaßen hygienisch funktionierten. Die Saudis sind wahabitische Sunniten, die Iraner von ihren Ayatollas aufgehetzte Schiiten. Riad gegen Teheran. Es ist also ein gigantischer Religionskrieg, der sich zwischen Saudi-Arabien und dem Iran abzeichnet. Und ein Krieg ums Erdöl. Das persische Öl ist zum großen Teil vertraglich China versprochen. Die Lieferverträge wurden 2016 in Teheran unterzeichnet. Eine weitere Variante in Allahs Drama. Aber bald, so steht nun zu befürchten, könnten sich die beiden größten Erdöl-Produzenten der Erde gegenseitig plattmachen. Im Trump-Tower in New York und in Haifa wird man sich die Hände reiben. In Deutschland sollte man trotz des Hochsommers vorsorglich Heizöl ordern ...

Kreuzfahrt braucht Frieden
Was das alles mit der Kreuzfahrt zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn kaum ein Wirtschaftszweig ist so abhängig von friedlichen Verhältnissen auf unserem Globus, wie die weltweit operierende Kreuzfahrtbranche. Schon jetzt wissen all die Schiffsriesen kaum noch wohin. Immer mehr Anlaufplätze fallen aus. Die sogenannten „Destinationen” laufen über: Miami und die Karibik, Genua und das Mittelmeer, auch die Ostsee von Kiel bis St. Petersburg ‒ überall überfüllte Anlaufhäfen für eine immer weiterwachsende Armada weißer Schiffsgiganten. Und auch weltweit wird es eng und immer enger. Denn immer mehr Anlegeplätze in sogenannten „Spannungsgebieten” können nicht mehr risikolos angelaufen werden: in Ägypten, Jordanien, Katar, der Türkei, in Teilen Nordafrikas und des Schwarzen Meeres. Und wer weiß denn, welche Folgen ein Waffengang zwischen Nordkorea und der Militärallianz USA/Südkorea/Japan nach sich zöge ...
Mich wundert, dass die Kreuzfahrtbranche nichts gelernt hat aus der großen Krise der Handelsschifffahrt. Dort hat das Überangebot an Tonnage zu einer jahrelangen und folgenschweren Krise geführt. Die Frachtraten gingen in den Keller. Pleiten waren und sind auch weiterhin die Folge. Dennoch werden auf Teufel komm raus immer mehr und immer größere Kreuzfahrtriesen gebaut, die Auftragsbücher der Werften in Italien, Japan, Südkorea, Papenburg und Turku quellen über. Schiffe für dreitausend, viertausend, fünftausend Passagiere. Ein Boom, der sich schneller totlaufen könnte als viele der Zukunftsbranchenbeschwörer immer noch glauben.
Ich weiß: „der Prophet gilt nichts im eigenen Lande” – und ich hoffe so sehr, dass ich mich irre. Aber hätte man früher (v o r den großen Kriegen, also 1913 und 1938 und 1965 und 2002) mehr auf jene Sehleute gehört, die sich mit politischen Unwetterwarnungen auskennen, wäre später vielleicht so manche Träne weniger geflossen. „Das hättet Ihr doch kommen sehen müssen?” werden Großeltern heute oft gefragt. Also, Ihr Jüngeren, macht die Augen auf!
In diesem Sinne von Herzen: Ihr Herbert Fricke

 

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