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Frank Reiner im Oslofjord 0043 2 neu

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im SeereisenMagazin ·
Foto: Reiner Frank, Rostock

Rostock Warnemuende Foto HERO15 071

Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde. Foto HERO15 071 Hafen Rostock-Warnemünde

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17621 DSM Paeckchen Action 1000264 Foto Reiner FrankDSM-Mitarbeiter beim Packen der Weihnachtspäckchen – v. l. Lukas Evers, Regina Qualmann und Rolf Spannaus. Foto: Reiner Frank, Rostock

Weihnachtspäckchen für Seeleute
Seemannsmission Rostock dankt Unterstützern · Werkstattschüler erforschten ihre Geschichte · Schon die Aufgaben für Kreuzfahrtsaison 2018 im Blick

Rostock, 13. Dezember ‒ Im Rostocker Hafenrevier ist der Seemannsclub „Hollfast” ein wichtiger Ankerplatz. 5.500 Seeleute steuerten ihn in diesem Jahr wieder an und von den Mitarbeitern der Seemannsmission erfolgten über 2.000 Bordbesuche. Und das obwohl dem Team um Seemannsdiakon Folkert Janssen (60) praktisch ein Monat fehlte. Im Februar/März verjüngten Handwerker die Räumlichkeiten auf der Rückseite des Hafenrestaurants, in der inzwischen nahezu zehn Jahre die Seemannsmission ihren Sitz hat und von hier aus ihren sozial-fürsorgliche Arbeit für die Seeleute leistet. Mobiliar wurde aufgearbeitet, Fußboden erneuert, die gesamte Einrichtung insgesamt aufgefrischt. Davon konnten sich vergangenen Freitag auch die zum Adventsfrühstück in den Club geladenen Gäste überzeugen, mit dem bereits traditionell die Seemannsmission ihren Unterstützern für die gute Zusammenarbeit dankt. Unter den Gästen waren mit der Lehrerin Dr. Beate Behrens und der Schülerin Milla Mann auch zwei Vertreter der Werkstattschule aus der Rostocker Südstadt. Ihnen wurde besonderer Dank der Seemannsmission zuteil: die Schüler Milla Mann und Friedrich Lemke (gegenwärtig im Schüleraustausch in Indien) waren in einem Projekt den historischen Wurzeln der Deutschen Seemannsmission (DSM) in Rostock auf der Spur. Mit dieser Untersuchung beteiligten sie sich am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema „Gott und die Welt, Religion macht Geschichte” und ihr Beitrag „Hollfast” wurde Landessieger und im Schloss Bellevue mit einem 3. Preis des Bundespräsidenten geehrt.
Die beiden Schüler, denen die Seemannsmission bis dahin wenig sagte, machten sich im Stadtarchiv und in Gesprächen im Seemannsclub mit der Geschichte und den aktuellen Aufgaben des Clubs vertraut, in dem der Seemann aus der Ferne ein Stück Zuhause, Ruhepol und Fürsorge findet. Die Recherchen führten die Schüler zurück auf den 1844 in Rostock geborenen Kaufmannssohn Friedrich Martin Elias Harms, dessen Wirken für die Seeleute in England einen wesentlichen Anstoß zum Aufbau der Deutschen Seemannsmission gab. In der Rostocker Nikolaikirche, in der Harms 1858 konfirmiert worden war, erinnert eine Gedenktafel an den Gründungsvater. Und das an einer Stätte, in der am 31. Januar 1991 dann auch die Geburtsstunde der Deutschen Seemannsmission Rostock e. V. schlug.
In ihrem Domizil im Seehafen laufen gegenwärtig die Vorkehrungen auf Weihnachten. 400 Päckchen wurden hier wieder gepackt und gehen mit den Schiffen von Rostock auf weltweite Fahrt beziehungsweise bescheren die Seeleute bei der Weihnachtsfeier, zu der sie Heiligabend um 19 Uhr in den Club im Hafen geladen sind.
Der Blick des Teams ist auch schon auf die bevorstehende Kreuzfahrt-Saison gerichtet, in der in Rostock und Warnemünde über 200 Schiffsanläufe erwartet werden. Zur Betreuung der Seeleute wird die DSM Rostock auch in Warnemünde wieder präsent sein. Zunächst weiter im Provisorium am Fähranleger, künftig dann – davon geht Folkert Janssen aus – integriert im neuen zweiten Terminalgebäude, dessen Bau voraussichtlich im Herbst 2018 beginnt. Reiner Frank

17621 R Temme S und B IMGP8656 Foto Reiner FrankReiner Frank sprach mit dem Rostocker Niederlassungsleiter der Schiffsmaklerei Sartori & Berger, Robert Temme, über die Vorbereitungen der
Kreuzfahrt-Saison 2018.
Foto: Reiner Frank, Rostock

Mitte April geht es in Wismar los · Kreuzfahrt-Boom in Rostock hält 2018 an
Makler von Sartori & Berger haben im nächsten Jahr sogar etwa 20 Anläufe mehr zu bedienen

Rostock ‒ „Es war eine gute Saison”, blickt Robert Temme (35), Leiter der Rostocker Niederlassung der Maklerei Sartori & Berger (S+B), auf die Kreuzfahrt-Saison 2017 zurück. Allein in Rostock und Warnemünde waren 168 Schiffe zu bedienen, dazu noch in Wismar acht sowie weitere vom Mukraner Büro aus an den Seebrücken von Rügen bis Usedom. Es gab alle Hände voll zu tun. Das Team der Agentur war entsprechend auf 14 Mann (inklusive Azubis) aufgestockt worden.
Zu den besonderen Höhepunkten zählt er das erfolgreiche Zusammenspiel mit dem Flughafen Rostock-Laage, die Dienstleistungen der Agentur in der Logistikkette für die per Flieger anreisenden Passagiere. Der Makler ist mit seinen Leuten gegenwärtig noch mit Nacharbeiten der vergangenen Kreuzfahrt-Saison beschäftigt. Ins Blickfeld ist längst aber schon die bevorstehende neue Saison 2018 gerückt. Allein in Rostock und Warnemünde sind durch S+B-Makler dann 180 Anläufe zu bedienen und ein weiteres gutes Dutzend in Wismar, Mukran und an den Seebrücken. Insgesamt werden im heimischen Revier im nächsten Jahr über 200 Schiffe erwartet. Die genaue Anzahl gibt Rostock Port erst zu Jahresbeginn bekannt, inoffizielle Quellen listen die Rekordzahl von 210 Anläufen auf. Darunter auch die 325 Meter lange, 145 655 BRZ große, für 3.969 Passagiere ausgelegte NORWEGIAN BREAKAWAY von NCL, das voraussichtlich größte Schiff der Saison, das aber von den Agenturen HC Roewer / Baltimar betreut wird.
Für die Agentur Sartori & Berger beginnt die Saison bereits am 14. April mit dem Anlauf der ASTORIA in Wismar. Wenige Tage später läuft die HANSEATIC die Seebrücken von Binz und Heringsdorf an. In Warnemünde eröffnet die VIKING SEA am 23. April für S+B den Kreuzliner-Reigen. Und er endet im nächsten Jahr hier erst am 17. Dezember. Jeweils drei Anläufe führen die ALBATROS von Phönix-Reisen sowohl ins vorweihnachtliche Wismar als auch nach Warnemünde. Zu den Neulingen im Revier zählt die 290 Meter lange SAPPHIRE PRINCESS. Mit der REGAL PRINCESS stellt sich eine alte Bekannte wieder ein und das gleich zwölfmal. AIDA Cruises schickt von Warnemünde wieder die AIDAdiva (18mal) und die AIDAmar (25) auf Ostsee-Kreuzfahrt und Partner Costa bringt die FAVOLOSA 16mal. Gleich mit vier Schiffen der Flotte wird Viking Cruises vertreten sein. Die Norweger kommen sowohl mit VIKING SEA, VIKING SKY, VIKING SUN und VIKING STAR insgesamt 24mal ins heimische Revier. 15mal kommt auch MSC mit ihrer MSC ORCHESTRA. Im Seehafen wird im nächsten Jahr für die spanische Pullmantur die ZENITH mit neun Abfahrten die MONARCH ablösen.
Passagierwechsel sind komplett für AIDA und Pullmantur abzuwickeln, Teilreisewechsel erfolgen unter anderem aber auch bei Costa, MSC und Princess Cruises. Der Trend zu größeren Schiffen hält an, eine Länge von 330 Metern aber bilde die Begrenzung, erklärt Temme. Er kennt natürlich auch die Probleme, die gegenwärtig erörtert werden. Dazu zählen die Belastungen durch den Lkw-Verkehr für die Proviantierung der Schiffe. Trucks treffen vielfach bereits tags zuvor ein und belasten mit ihren Abgasen die Umwelt. Die Luftqualität im Revier wird aber auch durch die Schiffe selbst beeinträchtigt. Rund 60 Prozent von ihnen wären durch so genannte LNG Power Pacs mit Landstrom zu versorgen, merkte jüngst der Rostocker Hafenkapitän Gisbert Ruhnke nach dem Jahrestreffen des Verbandes der Hafenkapitäne in Hamburg an. Ein Fingerzeig, dem nachzugehen ist. Reiner Frank

17621 Lars und Oliver Tober GSSO 1000216 Foto Reiner Frank RostockLars und Oliver Tober vor ihrem Maritimen Brand- und Sicherheitszentrum Seehafen Rostock. Foto: Reiner Frank, Rostock

Ein Seezeichen weist den Weg
Maritimes Brand- und Sicherheitszentrum im Seehafen Rostock bei den Reedereien gefragt / Spezialausbildung auch für die Feuerwehr
Rostock, 22. November – Im Seehafen war dieser Tage eine Brandbekämpfungseinheit der Rostocker Feuerwehr im Einsatz. Ein Bilgenbrand in einem Maschinenraum war zu löschen. Ort des Geschehens war kein Schiff, sondern ein Containerkomplex an der Ost-West-Straße. Hier hat die Gesellschaft für Sicherheitstechnik / Schiffssicherheit Ostsee (GSSO) die entsprechenden Bedingungen wie auf einem Schiff realitätsnah mit 23 ausgebauten 40-Fuß-Containern nachgestaltet. Von einzelnen Kabinen bis zu deren Balkons hoch oben, vom Maschinenraum bis zum großen Ladedeck waren die „Schiffbauer” am Werk. Selbst ein ausgeschlachteter Pkw ist hier im neuen Maritimen Brand- und Sicherheitszentrum Ostsee nicht schlechthin Kulisse, sondern Gegenstand der Übungen und praktischer Weiterbildung mit diverser Löschtechnik unter Anleitung der Fachkompetenz der GSSO. Das moderne Trainingszentrum ist seit einem dreiviertel Jahr im Betrieb und entstand auf einem von Rostock Port gepachteten Areal. Ein Seezeichen, das so genannte Unterfeuer Petersdorf, weist Ortunkundigen den Weg hierhin. „Unsere Kompetenzen liegen auf den Gebieten des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes sowie der operativen Schiffssicherheit”, erklärt GSSO-Geschäftsführer Lars Tober, der zusammen mit seinem Bruder Oliver in der Einrichtung entsprechende Dienstleistungen anbietet. Dabei konzentrieren sie sich auf die Ausbildung, machen Brandversuche, entwickeln Feuerlösch-Technik und erarbeiten Brandschutz- und Sicherheitskonzepte.
Mit der Seefahrt sind die Zwillingsbrüder des Jahrgangs 1968 von der Pike an verbunden. Beide lernten bei der DSR und fuhren als Maschinen-Assis zumeist gemeinsam im Flottenbereich Asien/Amerika zur See. Nach dem Studium mit der Doppelausrichtung Schiffsbetriebstechnik und Anlagentechnik in Warnemünde trennten sich zunächst ihre Wege. Während Oliver weltweit auf Containerschiffen in Fahrt blieb, ging Lars zum Unternehmen Fogtec nach Köln, um seine Kenntnisse zum Einsatz von Wassernebel bei Motorenbränden, womit er sich in seiner Diplomarbeit beschäftigt hatte, als Entwicklungsingenieur zu vertiefen und praktisch anzuwenden. Als Schiffsingenieur war er dann bei Scandlines im Einsatz, ehe er als Projektleiter am Warnemünder Institut für Schiffssicherheit tätig wurde und 2003/2004 die GSSO zunächst als dessen Tochterunternehmen mit aus der Taufe hob. Es folgte der Weg in die Selbstständigkeit. Bei der Neuausrichtung und dem Aufbau des durch die EU kofinanzierten Trainingszentrums im Hafen unterstützte Oliver Tober bereits seinen Bruder. Er brachte seine Erfahrung als Technischer Inspektor bei Scandlines und Stena Line mit, die ihm heute als Senior Surveyor und Instrukteur unter anderem bei der Erstellung von Feuerlöschkonzepten und Werftprojekten hilfreich sind.
Mit jenen, die Oliver und Lars trainieren, sprechen sie eine Sprache ‒ von Seemann zu Seemann. Sie haben bei der Ursachenermittlung von Schiffsbränden wie auf dem Containerfrachter MSC FLAMINIA mitgewirkt und dazu beigetragen, dass Reedereien die entsprechenden Schlussfolgerungen zogen. Und in diesem Sinne bieten sie auch gegenwärtig ihre Dienstleistungen an. Trainingskurse für AIDA und Costa stehen während der Hafenliegezeit ihrer Schiffe auf dem Programm und so war auch Costa-Kapitän Carmine Maddaloni des Lobes voll über die in Rostock für seine FAVOLOSA-Crew gebotenen Möglichkeiten. Eine Dienstleistung für den Rostocker Kreuzliner-Reigen, den die Gesellschaft weiter ausbauen will. Ihr innovativer Containerbau ist ein Aushängeschild für den Erhalt und die Weiterentwicklung maritimer Brandschutz-Kompetenz am Standort Rostock, womit auch der heimische Hafen werben kann. Reiner Frank

17621 Karsten Lentz Euroports 1000139 Foto Reiner Frank RostockKarsten Lentz ist seit einem Jahr Geschäftsführer von Euroports Germany. Der in Bad Doberan heimische Manager ist bereits seit 2001 im Rostocker Unternehmen tätig. Foto: Reiner Frank, Rostock

Euroports investiert im Hafen Rostock
Letzte Bauvorkehrungen für neue Papierhalle und weiteren Getreidebelader · Unternehmen will weiter wachsen

Rostock – Zwei wichtige Investitionen für den Rostocker Hafenumschlag sind auf gutem Wege. Für den Bau einer weiteren Papierhalle wurde gerade der Auftrag für den Bau vergeben. Noch im November beginnen die ersten Arbeiten, etwa Januar / Februar soll dann im nächsten Jahr der eigentliche Bau der 6.000 Quadratmeter großen Halle laufen. Das Ziel lautet, die 3-Millionen-Investition bis Mitte 2018 fertig zu stellen. „Mit dem Neubau, zu dessen Ausrüstung unter anderem modernste Feuerlöscheinrichtungen gehören werden, wollen wir uns wachsenden Herausforderungen im Umschlag dieser wertintensiven Fracht stellen”, erklärt Karsten Lentz (40), Geschäftsführer von Euroports Germany. Im Papier-Geschäftsfeld gibt es bereits alle Hände voll zu tun, nachdem sich der Umschlag des finnischen Papierproduzenten UPM an der südlichen Ostseeküste auf Rostock konzentriert und hier eine Verdreifachung der Umschlagsmengen zu bewältigen ist. Dafür und auch für potenzielle Neukunden werden nach der personellen Aufrüstung nun auch die Lagerkapazitäten weiter ausgebaut.
Auch auf der anderen Seite des Hafens laufen die Bauvorkehrungen auf Hochtouren. Hier errichtet Euroports einen weiteren Getreidebelader mit einer Nennleistung von 1.200 Tonnen pro Stunde. Mit den dazu notwendigen Förderanlagen ist das eine Investition von knapp zehn Millionen Euro, erklärt Karsten Lentz und kann berichten, dass die Vorkehrungen dafür im Zeitplan liegen. Anfang Dezember wird voraussichtlich mit dem Bau der Fundamente für die neuen Anlagen begonnen. Auch das deutsche Agrarhandelsunternehmen Beiselen aus Ulm beabsichtigt, diesen Getreidebelader zukünftig für seinen Getreideexport zu nutzen. Für den Bau ihres Silos und den dazu notwendigen Fördersystem, das sich an die Euroports-Anlagen anschließt, wurde Ende September begonnen. Der Rostocker Hafen stärkt damit seine Position als leistungsfähiger Getreideumschlagsplatz, nachdem es in den Vorjahren bereits wiederholt Engpässe gab.
Mit Ölhafen und dem Arbeitskräftepool GHB sind in den Gesellschaften von Euroports Germany etwa 400 Mitarbeiter tätig. Ihre Aufgabenpalette ist vielfältig und reicht vom Massengutbereich, wo allein 1,1 bis 1,2 Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen werden, bis zum Trailer-Verkehr der Finnlines-Fähren. „Dankbare Kunden und zufriedene Mitarbeiter – das ist ein Traum, um dessen Erfüllung wir ringen”, sagt Lentz und nennt Beispiele für das Bemühen um höhere Effizienz der Dienstleistungen. Unter anderem bemerkenswert: Allein in der Euroports Papier-Umschlags- und Lagergesellschaft, ging die Zahl der Ladungsschäden um ein Drittel zurück.
Weitere Investitionen, beispielsweise für neue Kräne, werden erörtert. „Wir wollen wachsen, unser Vertriebssystem durch einen Sales-Manager stärken”, bekennt Lentz und setzt dabei auf das Miteinander mit Rostock Port und den anderen Partnern im Areal. In diesem Sinne gibt es die Absicht, künftig wieder im Landesverband Hafenwirtschaft mitzuarbeiten.
Euroports Germany, die frühere Seehafen Umschlagsgesellschaft Rostock, gehört seit 2007 zur Hälfte und seit 2012 komplett zum internationalen Euroports-Konzern mit seinen 22 Terminals in Europa und Asien. Hauptsitz der Gruppe ist Antwerpen. Reiner Frank

17621 FINNSEA und Lotsenboot P9570 Foto Reiner Frank Rostock    Die Finnlines-Fähre FINNSEA passiert die Molen in Warnemünde. Für den Trailverkehr der Reederei ist Euroports Dienstleister. Foto: Reiner Frank, Rostock

17621 Tallink Superfast VII 009 Foto Reiner Frank RostockDie Fähre SUPERFAST VII (hier schon unter Tallink-Ägide) im Rostocker Hafenrevier. Foto: Reiner Frank, Rostock

Schadenersatz nach Mammutprozess erstritten
Nach elf Jahren Rechtsstreit erhielten von der Fährreederei Superfast entlassene Seeleute Recht

Rostock, 10. November 2017 ‒ Was lange währt, wird gut, heißt ein Sprichwort. Jene Seeleute werden es bestätigen, die nach einem sich rund elf Jahre hinziehenden Rechtstreit nun mit Schadenersatz rechnen können. Worum ging es? Im März 2006 verkaufte die griechische Reedereigruppe Superfast drei ihrer Schiffe, die zwischen Rostock und dem finnischen Hanko verkehrten, an die estnische Reederei Tallink. Das äußere Bild der weiß-roten Flitzer blieb gleich, aber die deutsche, finnische und griechische Crew wurde durch billigere Arbeitskräfte ersetzt. Etwa 50 von insgesamt 450 Betroffenen klagten dagegen, wollten wenigstens eine Abfindung erstreiten, denn nach Auffassung der Gewerkschaft Verdi, die mit ihren Anwälten die Entlassenen unterstützte, handelte es sich um einen Betriebsübergang und demnach sei das Arbeitsverhältnis ein Jahr geschützt. Ein Mammutprozess durch alle Instanzen in Deutschland und Finnland begann, der noch andauerte, als die Fähren längst woanders im Einsatz waren. Im August 2011 wurde durch Tallink die Fährverbindung nach Finnland (inzwischen mit Zielhafen Helsinki) eingestellt und die hier eingesetzten Superfast-Fähren wurden verchartert.
Vor den deutschen Gerichten ging es zunächst ausschließlich um die Klärung der internationalen Zuständigkeit. Flaggenstaat war Griechenland, in Rostock waren die vorwiegend norddeutschen Seeleute eingestellt und in Finnland die Tarifverträge abgeschlossen worden. Nach dem in dritter Instanz das Bundesarbeitsgericht deutsche Gerichte für nicht zuständig befand, wurde in Finnland weiter prozessiert. Und das mit Erfolg für die Seeleute. Das finnische Gericht bestätigte, dass der Fakt des Betriebsübergangs auch für Seeleute gilt und schmetterte auch alle Rechtsmittel ab, die dagegen eingelegt worden waren. Nun steht den Seeleuten, die bis zuletzt durchgehalten haben, Schadenersatz zu. Das Urteil könnte Signalwirkung haben. Es wurde geklärt, dass selbst bei Rechtsverstößen einer Reederei, die nicht unter deutscher Flagge fährt, deutsches Recht angewendet wird, kommentiert das Verdi-Magazin „Waterfront”. rfra

17521 MeckPom P9344 Foto Reiner Frank RostockDie Stena-Fähre MECKLENBURG-VORPOMMERN (nach der Werftzeit im neuen Anstrich) läuft in Rostock gen Trelleborg aus, wo sie künftig Landstrom nutzen kann. Foto: Reiner Frank, Rostock

Steckdosen sind schon an Bord · Landanschluss im Hafen Trelleborg vor der Inbetriebnahme · Nachnutzung durch Stena-Fähren in hiesigen Häfen im Blickfeld · Oktoberfest auf der SASSNITZ

Rostock – Am 23. Oktober hat der Hafen Trelleborg zu einem besonderen Event geladen. Die Landstrom-Versorgung für die Schifffahrt wird hier offiziell aus der Taufe gehoben. Statt wie bislang den Hafenbetrieb mit Diesel zu gewährleisten, können Schiffe hier künftig Landstrom aus regenerativen Energien verwenden, verpesten die Umwelt nicht mehr mit ihren Schadstoffen. Der Testbetrieb läuft schon eine längere Zeit. Stecker für Landstrom gibt es auch auf den Stena-Fähren MECKLENBURG-VORPOMMERN und SKANE, die den Anschluss bereits in Trelleborg nutzen können. Investitionsaufwand und Nutzen solcherart Anlagen werden auch mit dem Hafen Rostock, dem zweiten Bindeglied dieser Fährlinie zwischen Deutschland und Schweden, erörtert. Vertreter der heimischen Hafenbehörden und der Politik sind deshalb auch zur Inbetriebnahme der Landstromanlagen in den schwedischen Hafen geladen, um sich selbst zu überzeugen, was dank Fördermaßnahmen im skandinavischen Nachbarland machbar ist.
Was in schwedischen Häfen wie Göteborg, Trelleborg und Karlskrona praktikabel wird, sollte der Umwelt zu Liebe auch auf deutscher Seite machbar sein, heißt es in einem Hilferuf an den Bund aus Kiel, wo die Umweltbelastung inmitten der Stadt besonders auffällig ist. In den hiesigen Häfen könnte die Befreiung von der der EEG-Umlage, also von den Mehrkosten für die Nutzung erneuerbarer Energien, eine Hilfe sein, meint Ron Gerlach (42), Geschäftsführer der Stena Line GmbH & Co. KG, im NNN-Gespräch.
Umweltschutz spielt auf den Fähren der Stena Line zunehmend eine Rolle. So wird auf der zwischen Göteborg und Frederikshavn verkehrenden Fähre STENA DANICA Fernwärme während der Liegezeit im Hafen genutzt und wie auch auf der STENA JUTLANDICA der Batteriebetrieb getestet. Auf der zwischen Kiel und Göteborg eigesetzten Fähre STENA GERMANICA macht der emissionsarme Methanol-Antrieb Furore, obwohl gegenwärtig Diesel deutlich billiger ist. Für Neubauten soll wiederum das Projekt STENA ELECTRICA Vorbild werden. Der Landstrom in Trelleborg kann nun ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu grüner Schifffahrt sein.
Für die Stena LIne ist die zu Ende gegangene Saison in Deutschland trotz einiger Startprobleme erfolgreich verlaufen. Die Werftzeit der MECKPOM mit dem Neubau der Eisenbahndecks in Danzig dauerte länger als ursprünglich vorgesehen. Verjüngungskuren gab es auch für STENA GERMANICA, SKANE und SASSNITZ, die gegenwärtig auf der Königslinie übrigens für drei Wochen zum Oktoberfest lädt. Die Route, so der Stena-Manager, erwies sich in der Saison recht stabil. Mehr als 310.000 Gäste steuerten mit der SASSNITZ die Insel Rügen an. Gespräche mit Tourismusverbänden laufen, um Fährfahrten mit Landprogrammen zu verknüpfen, somit noch mehr Gäste zu binden.
Auf der Relation zwischen Rostock und Trelleborg konnten den Kunden durch das Agreement mit der TT-Line täglich in der Saison sechs Abfahrten geboten werden (gegenwärtig sind es noch fünf). Die durch die Werftzeiten bedingten Rückstände am Jahresanfang konnten, so Gerlach, „wieder geglättet werden”. Die gesteckten Gesamtziele für das laufende Jahr, das sei absehbar, würden bei Fracht und Passagen aber erreicht, ein leicht steigender Trend sei zu verzeichnen. Besonders auf der Fährlinie Kiel-Göteborg, die in diesem Jahr im Zeichen des 50jährigen Bestehens stand, wurden Fortschritte erzielt. Hier sei intermodal zugelegt worden, freut sich Gerlach und verweist auf Zuwächse im kombinierten Verkehr via Triest und Verona.
2018 würde der Kurs der Stena Line auf moderates weiteres Wachstum abgesteckt. Dabei werde Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. So würden die Plastetüten von Bord aller 35 Stena-Fähren (insgesamt immerhin eine Million Stück) verbannt und an Land die Nutzung von Elektroautos angesteuert. In Trelleborg läuft schon eines, in Rostock steht die Anschaffung bevor. https://www.stenaline.de · Reiner Frank

17521 Faehre Hammerodde Faergen P9593 Foto Reiner FrankDie Færgen-Fähre HAMMERODDE verlässt Sassnitz-Mukran. Foto: Reiner Frank, Rostock

Rückzug nach 150 Jahren
Zäsur im Bornholm-Verkehr / Molslinjen verdrängen Færgen / Von Sassnitz künftig ganzjährig / Umzug von Rönne nach Svendborg

Sassnitz – Die dänische Reederei Færgen steht vor einer Zäsur. Ab September 2018 wird nach einer öffentlichen Ausschreibung der Fährverkehr von und nach Bornholm, so auch zwischen Sassnitz und Rönne, von den Molslinjen aus Aarhus betrieben. Die Reederei Færgen wird ihren Hauptsitz in Rönne auf Bornholm aufgeben und nach Svendborg im Süden der Insel Fünen und damit näher zu ihren anderen Linien verlegen, berichtet uns Jörgen Jensen (59) aus der Færgen-Geschäftsführung. Er wird künftig die Geschicke der um ein wichtiges Fahrgebiet geschmälerten Reederei führen, während der bisherige Færgen-Chef John Steen Mikkelsen (62) sich auf seine Aufgaben in Aufsichtsträten konzentrieren wird. Beide sind in vergangenen Jahren Pioniere des Fährverkehrs von Rostock gewesen. Sie wirkten in verschiedenen Funktionen bei den Europa-Linien und bei Scandlines, ehe sie Færgen gut auf Kurs brachten. Auch die zu Ende gegangene Saison ist für die Reederei wieder sehr gut gelaufen, weiß Jensen zu berichten. Lediglich im Verkehr von und nach Sassnitz gab es kleine Einbußen. Jörgen Jensen wertet das als Ergebnis des unbeständigen Wetters, das manch Kurzurlauber von einem Törn zur Sonneninsel zurückschreckte.
Während für Færgen der Anfang April aufgenommenen Bornholm-Verkehr von Sassnitz in diesem Jahr Mitte November endet, wollen die Molslinjen ihn künftig ganzjährig unter dem neuen Namen Bornholmslinjen betreiben. Eine derzeit in Finnland gebaute neue Fähre wird für 720 Passagiere ausgelegt. Das bedeutet nach Angaben der Reederei nahezu doppelt so viel Platz wie bisher. Auf das Jahr gesehen kommen für Urlauber 210 Abfahrten hinzu.
Ausschlaggebend für die Vergabe an Molslinjen war zudem, dass die Reederei Preissenkungen im Durchschnitt von über 50 Prozent verspricht. Im nächsten Jahr werden bis Ende August aber die HAMMERODDE und POVL ANKER zwischen Rönne und Sassnitz sowie Köge und die beiden Schnellfähren LEONORA CHRISTINA und VILLUM CLAUSEN via Ystad noch für Færgen im Einsatz sein. Die Schiffe wurden aber bereits verkauft und praktisch für die verbliebene Einsatzzeit zurückgechartert. Mit dem Rückzug von Bornholm, endet für Færgen ein über 150jähriges Engagement, das 1866 mit einer Dampfschifffahrtslinie begann. rfra

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