OSTSEEMAGAZIN 21

Frank Reiner im Oslofjord 0043 2 neu

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! · Ressortleiter OstseeMagazin
im SeereisenMagazin ·
Foto: Reiner Frank, Rostock

Rostock Warnemuende Foto HERO15 071

Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde. Foto HERO15 071 Hafen Rostock-Warnemünde

hr

17621 Karsten Lentz Euroports 1000139 Foto Reiner Frank RostockKarsten Lentz ist seit einem Jahr Geschäftsführer von Euroports Germany. Der in Bad Doberan heimische Manager ist bereits seit 2001 im Rostocker Unternehmen tätig. Foto: Reiner Frank, Rostock

Euroports investiert im Hafen Rostock
Letzte Bauvorkehrungen für neue Papierhalle und weiteren Getreidebelader / Unternehmen will weiter wachsen
Rostock – Zwei wichtige Investitionen für den Rostocker Hafenumschlag sind auf gutem Wege. Für den Bau einer weiteren Papierhalle wurde gerade der Auftrag für den Bau vergeben. Noch im November beginnen die ersten Arbeiten, etwa Januar / Februar soll dann im nächsten Jahr der eigentliche Bau der 6.000 Quadratmeter großen Halle laufen. Das Ziel lautet, die 3-Millionen-Investition bis Mitte 2018 fertig zu stellen. „Mit dem Neubau, zu dessen Ausrüstung unter anderem modernste Feuerlöscheinrichtungen gehören werden, wollen wir uns wachsenden Herausforderungen im Umschlag dieser wertintensiven Fracht stellen”, erklärt Karsten Lentz (40), Geschäftsführer von Euroports Germany. Im Papier-Geschäftsfeld gibt es bereits alle Hände voll zu tun, nachdem sich der Umschlag des finnischen Papierproduzenten UPM an der südlichen Ostseeküste auf Rostock konzentriert und hier eine Verdreifachung der Umschlagsmengen zu bewältigen ist. Dafür und auch für potenzielle Neukunden werden nach der personellen Aufrüstung nun auch die Lagerkapazitäten weiter ausgebaut.
Auch auf der anderen Seite des Hafens laufen die Bauvorkehrungen auf Hochtouren. Hier errichtet Euroports einen weiteren Getreidebelader mit einer Nennleistung von 1.200 Tonnen pro Stunde. Mit den dazu notwendigen Förderanlagen ist das eine Investition von knapp zehn Millionen Euro, erklärt Karsten Lentz und kann berichten, dass die Vorkehrungen dafür im Zeitplan liegen. Anfang Dezember wird voraussichtlich mit dem Bau der Fundamente für die neuen Anlagen begonnen. Auch das deutsche Agrarhandelsunternehmen Beiselen aus Ulm beabsichtigt, diesen Getreidebelader zukünftig für seinen Getreideexport zu nutzen. Für den Bau ihres Silos und den dazu notwendigen Fördersystem, das sich an die Euroports-Anlagen anschließt, wurde Ende September begonnen. Der Rostocker Hafen stärkt damit seine Position als leistungsfähiger Getreideumschlagsplatz, nachdem es in den Vorjahren bereits wiederholt Engpässe gab.
Mit Ölhafen und dem Arbeitskräftepool GHB sind in den Gesellschaften von Euroports Germany etwa 400 Mitarbeiter tätig. Ihre Aufgabenpalette ist vielfältig und reicht vom Massengutbereich, wo allein 1,1 bis 1,2 Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen werden, bis zum Trailer-Verkehr der Finnlines-Fähren. „Dankbare Kunden und zufriedene Mitarbeiter – das ist ein Traum, um dessen Erfüllung wir ringen”, sagt Lentz und nennt Beispiele für das Bemühen um höhere Effizienz der Dienstleistungen. Unter anderem bemerkenswert: Allein in der Euroports Papier-Umschlags- und Lagergesellschaft, ging die Zahl der Ladungsschäden um ein Drittel zurück.
Weitere Investitionen, beispielsweise für neue Kräne, werden erörtert. „Wir wollen wachsen, unser Vertriebssystem durch einen Sales-Manager stärken”, bekennt Lentz und setzt dabei auf das Miteinander mit Rostock Port und den anderen Partnern im Areal. In diesem Sinne gibt es die Absicht, künftig wieder im Landesverband Hafenwirtschaft mitzuarbeiten.
Euroports Germany, die frühere Seehafen Umschlagsgesellschaft Rostock, gehört seit 2007 zur Hälfte und seit 2012 komplett zum internationalen Euroports-Konzern mit seinen 22 Terminals in Europa und Asien. Hauptsitz der Gruppe ist Antwerpen. Reiner Frank

17621 FINNSEA und Lotsenboot P9570 Foto Reiner Frank Rostock    Die Finnlines-Fähre FINNSEA passiert die Molen in Warnemünde. Für den Trailverkehr der Reederei ist Euroports Dienstleister. Foto: Reiner Frank, Rostock

17621 Tallink Superfast VII 009 Foto Reiner Frank RostockDie Fähre SUPERFAST VII (hier schon unter Tallink-Ägide) im Rostocker Hafenrevier. Foto: Reiner Frank, Rostock

Schadenersatz nach Mammutprozess erstritten
Nach elf Jahren Rechtsstreit erhielten von der Fährreederei Superfast entlassene Seeleute Recht

Rostock, 10. November 2017 ‒ Was lange währt, wird gut, heißt ein Sprichwort. Jene Seeleute werden es bestätigen, die nach einem sich rund elf Jahre hinziehenden Rechtstreit nun mit Schadenersatz rechnen können. Worum ging es? Im März 2006 verkaufte die griechische Reedereigruppe Superfast drei ihrer Schiffe, die zwischen Rostock und dem finnischen Hanko verkehrten, an die estnische Reederei Tallink. Das äußere Bild der weiß-roten Flitzer blieb gleich, aber die deutsche, finnische und griechische Crew wurde durch billigere Arbeitskräfte ersetzt. Etwa 50 von insgesamt 450 Betroffenen klagten dagegen, wollten wenigstens eine Abfindung erstreiten, denn nach Auffassung der Gewerkschaft Verdi, die mit ihren Anwälten die Entlassenen unterstützte, handelte es sich um einen Betriebsübergang und demnach sei das Arbeitsverhältnis ein Jahr geschützt. Ein Mammutprozess durch alle Instanzen in Deutschland und Finnland begann, der noch andauerte, als die Fähren längst woanders im Einsatz waren. Im August 2011 wurde durch Tallink die Fährverbindung nach Finnland (inzwischen mit Zielhafen Helsinki) eingestellt und die hier eingesetzten Superfast-Fähren wurden verchartert.
Vor den deutschen Gerichten ging es zunächst ausschließlich um die Klärung der internationalen Zuständigkeit. Flaggenstaat war Griechenland, in Rostock waren die vorwiegend norddeutschen Seeleute eingestellt und in Finnland die Tarifverträge abgeschlossen worden. Nach dem in dritter Instanz das Bundesarbeitsgericht deutsche Gerichte für nicht zuständig befand, wurde in Finnland weiter prozessiert. Und das mit Erfolg für die Seeleute. Das finnische Gericht bestätigte, dass der Fakt des Betriebsübergangs auch für Seeleute gilt und schmetterte auch alle Rechtsmittel ab, die dagegen eingelegt worden waren. Nun steht den Seeleuten, die bis zuletzt durchgehalten haben, Schadenersatz zu. Das Urteil könnte Signalwirkung haben. Es wurde geklärt, dass selbst bei Rechtsverstößen einer Reederei, die nicht unter deutscher Flagge fährt, deutsches Recht angewendet wird, kommentiert das Verdi-Magazin „Waterfront”. rfra

17521 MeckPom P9344 Foto Reiner Frank RostockDie Stena-Fähre MECKLENBURG-VORPOMMERN (nach der Werftzeit im neuen Anstrich) läuft in Rostock gen Trelleborg aus, wo sie künftig Landstrom nutzen kann. Foto: Reiner Frank, Rostock

Steckdosen sind schon an Bord · Landanschluss im Hafen Trelleborg vor der Inbetriebnahme · Nachnutzung durch Stena-Fähren in hiesigen Häfen im Blickfeld · Oktoberfest auf der SASSNITZ

Rostock – Am 23. Oktober hat der Hafen Trelleborg zu einem besonderen Event geladen. Die Landstrom-Versorgung für die Schifffahrt wird hier offiziell aus der Taufe gehoben. Statt wie bislang den Hafenbetrieb mit Diesel zu gewährleisten, können Schiffe hier künftig Landstrom aus regenerativen Energien verwenden, verpesten die Umwelt nicht mehr mit ihren Schadstoffen. Der Testbetrieb läuft schon eine längere Zeit. Stecker für Landstrom gibt es auch auf den Stena-Fähren MECKLENBURG-VORPOMMERN und SKANE, die den Anschluss bereits in Trelleborg nutzen können. Investitionsaufwand und Nutzen solcherart Anlagen werden auch mit dem Hafen Rostock, dem zweiten Bindeglied dieser Fährlinie zwischen Deutschland und Schweden, erörtert. Vertreter der heimischen Hafenbehörden und der Politik sind deshalb auch zur Inbetriebnahme der Landstromanlagen in den schwedischen Hafen geladen, um sich selbst zu überzeugen, was dank Fördermaßnahmen im skandinavischen Nachbarland machbar ist.
Was in schwedischen Häfen wie Göteborg, Trelleborg und Karlskrona praktikabel wird, sollte der Umwelt zu Liebe auch auf deutscher Seite machbar sein, heißt es in einem Hilferuf an den Bund aus Kiel, wo die Umweltbelastung inmitten der Stadt besonders auffällig ist. In den hiesigen Häfen könnte die Befreiung von der der EEG-Umlage, also von den Mehrkosten für die Nutzung erneuerbarer Energien, eine Hilfe sein, meint Ron Gerlach (42), Geschäftsführer der Stena Line GmbH & Co. KG, im NNN-Gespräch.
Umweltschutz spielt auf den Fähren der Stena Line zunehmend eine Rolle. So wird auf der zwischen Göteborg und Frederikshavn verkehrenden Fähre STENA DANICA Fernwärme während der Liegezeit im Hafen genutzt und wie auch auf der STENA JUTLANDICA der Batteriebetrieb getestet. Auf der zwischen Kiel und Göteborg eigesetzten Fähre STENA GERMANICA macht der emissionsarme Methanol-Antrieb Furore, obwohl gegenwärtig Diesel deutlich billiger ist. Für Neubauten soll wiederum das Projekt STENA ELECTRICA Vorbild werden. Der Landstrom in Trelleborg kann nun ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu grüner Schifffahrt sein.
Für die Stena LIne ist die zu Ende gegangene Saison in Deutschland trotz einiger Startprobleme erfolgreich verlaufen. Die Werftzeit der MECKPOM mit dem Neubau der Eisenbahndecks in Danzig dauerte länger als ursprünglich vorgesehen. Verjüngungskuren gab es auch für STENA GERMANICA, SKANE und SASSNITZ, die gegenwärtig auf der Königslinie übrigens für drei Wochen zum Oktoberfest lädt. Die Route, so der Stena-Manager, erwies sich in der Saison recht stabil. Mehr als 310.000 Gäste steuerten mit der SASSNITZ die Insel Rügen an. Gespräche mit Tourismusverbänden laufen, um Fährfahrten mit Landprogrammen zu verknüpfen, somit noch mehr Gäste zu binden.
Auf der Relation zwischen Rostock und Trelleborg konnten den Kunden durch das Agreement mit der TT-Line täglich in der Saison sechs Abfahrten geboten werden (gegenwärtig sind es noch fünf). Die durch die Werftzeiten bedingten Rückstände am Jahresanfang konnten, so Gerlach, „wieder geglättet werden”. Die gesteckten Gesamtziele für das laufende Jahr, das sei absehbar, würden bei Fracht und Passagen aber erreicht, ein leicht steigender Trend sei zu verzeichnen. Besonders auf der Fährlinie Kiel-Göteborg, die in diesem Jahr im Zeichen des 50jährigen Bestehens stand, wurden Fortschritte erzielt. Hier sei intermodal zugelegt worden, freut sich Gerlach und verweist auf Zuwächse im kombinierten Verkehr via Triest und Verona.
2018 würde der Kurs der Stena Line auf moderates weiteres Wachstum abgesteckt. Dabei werde Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. So würden die Plastetüten von Bord aller 35 Stena-Fähren (insgesamt immerhin eine Million Stück) verbannt und an Land die Nutzung von Elektroautos angesteuert. In Trelleborg läuft schon eines, in Rostock steht die Anschaffung bevor. https://www.stenaline.de · Reiner Frank

17521 Faehre Hammerodde Faergen P9593 Foto Reiner FrankDie Færgen-Fähre HAMMERODDE verlässt Sassnitz-Mukran. Foto: Reiner Frank, Rostock

Rückzug nach 150 Jahren
Zäsur im Bornholm-Verkehr / Molslinjen verdrängen Færgen / Von Sassnitz künftig ganzjährig / Umzug von Rönne nach Svendborg

Sassnitz – Die dänische Reederei Færgen steht vor einer Zäsur. Ab September 2018 wird nach einer öffentlichen Ausschreibung der Fährverkehr von und nach Bornholm, so auch zwischen Sassnitz und Rönne, von den Molslinjen aus Aarhus betrieben. Die Reederei Færgen wird ihren Hauptsitz in Rönne auf Bornholm aufgeben und nach Svendborg im Süden der Insel Fünen und damit näher zu ihren anderen Linien verlegen, berichtet uns Jörgen Jensen (59) aus der Færgen-Geschäftsführung. Er wird künftig die Geschicke der um ein wichtiges Fahrgebiet geschmälerten Reederei führen, während der bisherige Færgen-Chef John Steen Mikkelsen (62) sich auf seine Aufgaben in Aufsichtsträten konzentrieren wird. Beide sind in vergangenen Jahren Pioniere des Fährverkehrs von Rostock gewesen. Sie wirkten in verschiedenen Funktionen bei den Europa-Linien und bei Scandlines, ehe sie Færgen gut auf Kurs brachten. Auch die zu Ende gegangene Saison ist für die Reederei wieder sehr gut gelaufen, weiß Jensen zu berichten. Lediglich im Verkehr von und nach Sassnitz gab es kleine Einbußen. Jörgen Jensen wertet das als Ergebnis des unbeständigen Wetters, das manch Kurzurlauber von einem Törn zur Sonneninsel zurückschreckte.
Während für Færgen der Anfang April aufgenommenen Bornholm-Verkehr von Sassnitz in diesem Jahr Mitte November endet, wollen die Molslinjen ihn künftig ganzjährig unter dem neuen Namen Bornholmslinjen betreiben. Eine derzeit in Finnland gebaute neue Fähre wird für 720 Passagiere ausgelegt. Das bedeutet nach Angaben der Reederei nahezu doppelt so viel Platz wie bisher. Auf das Jahr gesehen kommen für Urlauber 210 Abfahrten hinzu.
Ausschlaggebend für die Vergabe an Molslinjen war zudem, dass die Reederei Preissenkungen im Durchschnitt von über 50 Prozent verspricht. Im nächsten Jahr werden bis Ende August aber die HAMMERODDE und POVL ANKER zwischen Rönne und Sassnitz sowie Köge und die beiden Schnellfähren LEONORA CHRISTINA und VILLUM CLAUSEN via Ystad noch für Færgen im Einsatz sein. Die Schiffe wurden aber bereits verkauft und praktisch für die verbliebene Einsatzzeit zurückgechartert. Mit dem Rückzug von Bornholm, endet für Færgen ein über 150jähriges Engagement, das 1866 mit einer Dampfschifffahrtslinie begann. rfra

17521 Aida Sektion mit Schlepper Pioneer P9708 Foto Reiner FrankDiese Sektion ist bereits mit den vier Dual-Fuel-Motoren von Caterpillar und damit mit dem Herzstück des Kreuzliners vorausgerüstet.
Foto: Reiner Frank, Rostock

LNG-Modul für den Aida-Neubau
Von der Neptun Werft unterwegs nach Papenburg / Erste von zwei Sektionen für die AIDAnova von Rostock verschifft

Rostock, 25. September 2017 – Gestern wurden am Kai der Rostocker Neptun Werft die letzten Vorkehrungen getroffen, der Schlepper PIONEER war bereits startbereit. Heute gegen 10 Uhr wurde dann das erste von zwei Modulen für den künftigen Aida-Cruiser AIDAnova auf die Reise zur Meyer Werft nach Papenburg geschickt. Diese Sektion ist bereits mit den vier Dual-Fuel-Motoren von Caterpillar und damit mit dem Herzstück des Kreuzliners vorausgerüstet, das auf der Meyer Werft dann zu schlagen beginnt. AIDAnova ist das erste Kreuzfahrtschiff weltweit, das ab Herbst 2018 durch den Einsatz von Dual-Fuel-Motoren sowohl im Hafen als auch auf See mit dem derzeit umweltfreundlichsten und emissionsärmsten fossilen Treibstoff betrieben werden kann.
Das 120 Meter lange und 42 Meter breite sowie drei Decks hohe Maschinenraum-Modul wird vorbehaltlich der Wetterbedingungen vier Tage für die Überfahrt bis zur Meyer Werft in Papenburg benötigen. Mit Hilfe von Schleppern wird die Sektion in den frühen Morgenstunden des 26. Septembers 2017 gegen 7.00 Uhr den Nord-Ostsee-Kanal erreichen und diesen auf einer zwölfstündigen Fahrt von Kiel nach Brunsbüttel durchqueren Über Borkum geht es dann weiter in Richtung Emden. Die letzte Passage führt weiter auf der Ems von Emden nach Papenburg.
Ein weiteres AIDAnova-Modul, ebenfalls 120 Meter lang und 42 Meter breit, nimmt derzeit noch in der Schiffbauhalle der Neptun Werft Gestalt an. Das vier Decks hohe Schwimmteil mit den drei LNG-Tanks wird voraussichtlich Ende November 2017 nach Papenburg verschifft.
AIDAnova wächst erst zusammen, aber die Reederei bietet dafür in ihrer Premierensaison ab Dezember 2018 bereits Reisen rund um die Kanaren an. Noch vor der Kanarensaison kommt das neue Schiff nach Hamburg. Am 2. Dezember 2018 besucht das neue Schiff die Hansestadt an der Elbe. Von hier aus geht es nach Gran Canaria. rfra

17521 Schiffer Familie Schuett P9649 Foto Reiner FrankVon links: Senior Peter Schütt, seine Enkelin Wibke, sein Sohn Olaf und sein Enkel Vincent. Olaf Schütt ist Kapitän des Fahrgastschiffes
ROSTOCKER 7, vor dem dieses Foto entstand.
Foto: Reiner Frank, Rostock

Drei Generationen vereint ein Ziel
Väter, Söhne und Enkel im Dienst der Schifffahrt / Über eine Rostocker Schifferfamilie und ihre Blaue Flotte

Rostock, 13. September 2017 – Die Fahrgastschiffer der Rostocker Blauen Flotte können in diesem Jahr auf einen markanten maritimen Meilenstein ihrer Betriebsgeschichte zurückblicken. 1932, somit vor 85 Jahren, schlug die Geburtsstunde für dieses Unternehmen, das heute eine Flotte von vier Fahrgastschiffen zwischen Rostock und Warnemünde im Einsatz hat. Der Sandbootfahrer Fritz Schütt (1905-1984) hob den Vorläufer seinerzeit aus der Taufe und dessen Söhne, Enkel und Urenkel setzen die seemännische Tradition bis heute fort.
Für Peter Schütt (82) wuchsen seinerzeit auf der Barkasse DIETER unter den Fittichen seines Vaters die sprichwörtlichen Seebeine. Auf dem Lehrschiff THEODOR KÖRNER begann sein beruflicher Werdegang als Seemann, bereits zehn Jahre später war er Kapitän. Sein erstes Kommando erhielt er auf dem Frachter STRALSUND im Afrika-Dienst. Reisen führten ihn aber auch nach Südamerika, Kuba und Archangelsk. Die letzten zehn Jahre bei der DSR wurde die FLEESENSEE – ein Frachter vom Typ Poseidon – sein Brotschiff. Nach dem großen Aderlass der Deutschen Seereederei (DSR) Mitte der 1990er-Jahre bot sich für ihn die Mithilfe im Familienunternehmen als Kapitän der KASPER OHM an. Ein Unternehmen, das sein Bruder Dieter Schütt (76), Kapitän der HANSESTADT ROSTOCK, 1991 als Personenschifffahrtsbetrieb aus der Taufe gehoben hatte.
Die Enkelin Wibke Schütt (28) knüpfte an die Tradition ihres Großvaters an. Auch sie geht nach dem Studium an der Seefahrtsschule auf große Fahrt. Sie ist bei der Reederei Hamburg Süd gemustert und als 2. Offizier auf Schiffen wie dem 10.500 TEU-Containerfrachter CAP SAN AUGUSTIN im Einsatz, das auf der Relation zwischen Hamburg und Buenos Aires unterwegs ist. Nach dem Urlaub gehört Wibke zu einer Crew, die Anfang Dezember den Neubau POLAR COSTA RICA von der Werft in Korea abholt. Bei einem Urlaustörn im Frühjahr auf einem Hamburg-Süd-Frachter zwischen New York und Santos konnte sich ihr Vater, der Fahrgastschiffer Olaf Schütt (54) überzeugen, wie seine Tochter an Bord eines Frachtriesen auf hoher See ihren Mann steht.
Das Arbeitsfeld vom Kapitän der ROSTOCKER 7 begrenzt die Küste, es ist die so genannte Strandlinie zwischen dem Rostocker Stadthafen und dem Neuen Strom in Warnemünde. Sein Schiff, das 146 Gästen unter Deck und 250 Personen an Deck komfortabel Platz bietet, hatte er 2003 eigens für die Internationale Gartenbauausstellung in Rostock bauen lassen.
Auch für seinen Sohn Vincent (21) ist die Seefahrt das Berufsziel geworden. Er macht gegenwärtig die seemännische Ausbildung, die er im nächsten Jahr als Schiffsmechaniker abschließen wird. Sein Ausbildungsbetrieb ist die Reederei Bugsier. Nach dem ersten Lehrjahr auf dem großen Notfallschlepper NORDIC hat er bereits auf verschiedenen Hafenschleppern zeigen können, was er als Azubi gelernt hat – von Hamburg, Rostock und Wilhelmshaven bis nach Antwerpen, wo zuletzt sein Tätigkeitsfeld war.
In der Blauen Flotte sind noch weitere Familienmitglieder im Einsatz, so auch Thomas Schütt, der Kapitän der MECKLENBURG. Drei Generationen der Schifferfamilie waren Mitte August an Bord der ROSTOCKER 7 vereint, als Oma Helga, die Ehefrau des Senior-Kapitäns, ihren 80. Geburtstag feierte. Sie alle vereint ein Ziel – der Dienst in der Schifffahrt. www.rostocker-flotte.de · Reiner Frank

Suche

Copyright © 2017. All Rights Reserved.