Stippvisite 10 

17310 Herrscher Palast P1030123 Foto DBDer neue Palast der herrschenden Familie Abu Dhabis ist noch eine riesige Baustelle an der Küste. Sein zukünftiger Glanz ist zu ahnen. Er wird ganz in traditionellem arabischen Stil gebaut und von Land und von See her zu erreichen sein.
Foto: Dieter Bromund, Bremen


Dieter Bromund

Stippvisite in Abu Dhabi – Enkel, Gin Tonic und der Muezzin

Beim dritten Besuch war alles anders. Der Liter Gin kostete in allen Duty Free Läden 16,40 €. Wir hatten Sitzplätze mit Beinfreiheit gekauft, die Flugstrecke schien kürzer, die 28 Grad nach der Landung waren erträglicher, einen Einreisestempel gab’s nicht.
Wie alle Non-Residents in den Emiraten wurde auch ich bei Ankunft fotografiert und sah auf einem Bildschirm im Schalter mein Konterfei neben zwei früheren und meinem Passfoto. Die jungen Emirati in ihren weißen Kanduras wussten also sehr genau, wer sie und zum wievielten Male in Abu Dhabi besuchte. Wir wollten wissen, wie es der Familie im fünften Jahr am arabischen Golf ging. Erlaubnis erteilt für drei Wochen Aufenthalt!
Als wir 30 Kilometer weiter auf der Terrasse ihres Hauses saßen, die Enkel im Bett waren und wir den ersten Gin Tonic tranken, hatte der Muezzin längst zum Nachtgebet gerufen.
Wir hatten acht Tage geplant, mit Absichten, doch ohne Programm. Der Louvre Abu Dhabi war noch immer nicht eröffnet, das Guggenheim Abu Dhabi auch noch nicht, der neue Palast des Scheichs sah noch immer nach Baustelle aus.
Die Silhouette der Innenstadt hatte sich sehr verändert, neue Hochhäuser bewiesen die Fantasie ihrer Architekten und die Geduld der Bauherren. Die warten ohne Hast auf Mieter und stellen immer Neues hin. Denn Staatsgelder für den Bau müssen erst dann in Raten zurückgezahlt werden, wenn er vermietet wird. So blieben zahllose Arbeiter aus östlichen Nachbarländern weiter auf Neubauten in Lohn und Brot.
Emiratis arbeiten nicht, jedenfalls für Besucher nicht sichtbar. Wer in den Shops schafft, trägt europäische oder indische Kleidung. Arabische Herren in makellos weißen Kanduras und vielfältig drapierten Kopftüchern sahen wir in den vielen Shopping Malls nur flanieren, gelegentlich begleitet von Damen in schwarzen bodenlangen Umhüllungen, die manchmal Kinder mit sich führten. Solche schwarz gekleideten Weiblichkeiten traten ohne Männer nur in Gruppen auf, selten ohne Handy. In den Emiraten dürfen, anders als in Saudi Arabien, Frauen auch Auto fahren.
Ohne Auto geht hier nichts. Die Mutter zweier Kinder, die eine amerikanische Schule besuchen, ist gut ausgelastet, auch wenn sie nur drei Vormittage in der Schulbücherei mitarbeitet. Unsere Enkel müssen um 7:45 Uhr in der Schulklasse sein und haben frühestens um 15 Uhr Unterrichtsende. Danach beginnen in der Schule Sport AG’s und andere Arbeitsgemeinschaften. Wer außerhalb schwimmen oder reiten will, Tennis spielen möchte oder Musikunterricht nimmt, muss transportiert werden, häufig quer durch die Stadt. Schulbusse gibt es an dieser Schule nur als Privatinitiative, öffentliche Verkehrsmittel sind nicht vorhanden.
Die Familie trifft sich gegen 19:00 Uhr zum Abendessen, danach verschwinden die Enkel zu Schularbeiten. Um 20.30 Uhr gehen sie zu Bett. Der Samstag ist der muslimische Sonntag, an dem man länger schläft. Und gemeinsam etwas unternehmen kann.
Ehe der Muezzin mit kreischender Stimme aus rostig klingenden Lautsprechern zum ersten Mal vor Sonnenaufgang Allah lobt und zum Gebet einlädt, haben sich in der Nachbarschaft Hähne mit ihrem eigenen Weckruf gemeldet. Später am Tag bleibt der Muezzin einsamer Rufer. Er meldet sich auch singend fünf Mal. Doch selbst die arabisch sprechende Enkelin versteht nur ein Allahu Akbar, Gott ist groß, dass aus den Lautsprechern knarrt. Kein Moslem, sagt die Gastgeberin, soll es weiter als 500 Meter bis zur nächsten Moschee haben. Sie sind also allgegenwärtig. Die größte, nach Scheich Zayed benannt, haben wir beim letzten Besuch ausführlich besichtigt.
Bei diesem Besuch geht es um die Enkel. Die Neunjährige zeigte uns die Lösung einer Hausaufgabe. Sie möchte ihren Klassenkameraden Deutschland in einer Präsentation auf ihrem Laptop vorstellen. Dazu hat sie eine Gliederung entwickelt, Informationen gesammelt, geordnet und gestaltet, Bilder aus dem Internet down geloadet und kommentiert, ein Glossar geschrieben und in einem Appendix Quellen aufgeführt – alles auf Englisch. Ihr Bruder, 13 Jahre alt, schrieb einen Aufsatz über die Vor- und Nachteile der Kernkraft und verfasste als Hausaufgabe Gedichte, Sonette, aber auch Haikus – auf Englisch selbstverständlich. Seine Hausaufgaben entnimmt er seinem Laptop, ein Lehrer hilft ihm auch in der Freizeit, sich im Englischen noch heimischer zu fühlen. Und wenn mal am Verhalten in der Schule was zu bemängeln wäre, kommt’s sofort per e-mail an die Eltern.
Ohne Handy geht hier gar nichts, Verabredungen, Nachrichten, Verspätungen, Bitten – alles läuft elektronisch. Sonderangebote hier, Tischreservierungen dort, das mobile phone ist immer und überall dabei.
Alkohol ist in den Emiraten mit einer Erlaubniskarte in speziellen Läden offiziell zu haben, zu vertretbaren Preisen. In manchen Bars weisen Schilder darauf hin, dass Herren in der Kandura hier nicht bedient werden. Also ziehen sich Durstige vorher nach westlichem Muster um.
Von null Grad in Bremen auf 37 mittägliche Grade in Abu Dhabi ist eine Umstellung, die Kraft kostet. Wir gingen es langsam an. Die Einkaufspassagen waren kühl, selten voll, verlockten mit allem was gut und teuer oder populär ist. Kein westliches Modeunternehmen und kaum ein Kosmetikanbieter fehlen.
Gold sei hier preiswerter als anderswo. Schmuck ist immer echt, bei Handtaschen, Uhren und manch anderem Gewerk fragt man sich, wie man eine Nachahmung wirklich so preiswert herstellen kann. Im benachbarten Indien, Pakistan und Bangladesch ist es möglich. Und wohl auch in der Türkei.
Die Enkel geherzt, gute Gespräche geführt, vorzüglich gespeist, manch fremde Küche ausprobiert, ein paar Souvenirs gekauft, bei der Ausreise gab es wieder keinen Stempel. Wir flogen auf derselben Route mit derselben Airline zurück. Der Londoner Gin kostet in allen Duty Free Shops immer noch 16,40 €.

17310 Hochhaeuser die Mieter suchen P1080796 Foto PBVor siebzig Jahren lag hier eine arme Küste, an der die Menschen vom Fischfang, Perlentauchen und Küstenhandel lebten. Als Öl entdeckt wurde,   verwandelte sich die Wüste. Heute entstehen auf dem einst armen Landstrich immer neue Hochhäuser, die Mieter suchen. Foto: Petra Bromund, Bremen

17310 Markt P1020936 Foto DB 17310 Markt Gewuerzhaendler P1020935 Foto DB
Vor dem Ölboom lebte an der Küste der heutigen Vereinigten Arabi-
schen Emirate der Gewürzhandel. Aus dem fernen Indien und dem nahen Muskat kam alles, was wunderbar duftete oder Speisen verfeinerte. In
einigen der heutigen Shopping Malls in Abu Dhabi werden Gewürze noch
wie einst angeboten.
 Foto: Dieter Bromund, Bremen
Objekt neugieriger Fotolinsen ist der Gewürzhändler. Außer Gewürzen verkauft er auch Parfümrohstoffe, Weihrauch, Öle und Essige, getrocknete Datteln und Feigen. Gewürzmischungen stellt zu Hause der Koch zusammen. Vor dem Kauf darf man probieren, was man erstehen will. Foto: Dieter Bromund, Bremen
17310 Scheich Zayed Bin Sultan Al Nahyan P1080976 Foto PB 17310 Supermarkt P1020873 Foto DB
„Our Father” ist der verstorbene erste Präsident der Vereinigten Arabi-
schen Emirate, Scheich Zayed Bin Sultan Al Nahyan. Die Föderale konstitutionelle Monarchie VAE besteht aus sieben Emiraten. Es gibt keine Regierungspartei und keine Opposition. Höchstes Bundesorgan ist der
Oberste Rat, der aus den Herrschern der Emirate besteht.
 
Foto: Petra Bromund, Bremen
Überall präsent – wie hier in einem Supermarkt, der auf preiswerte Textilien spezialisiert ist – sind die Herrscher des Landes. Der verehrte und verstorbene Gründer der VAE wird flankiert von dem jetzigen Herrscher und seinem Bruder, dem Kronprinzen. Die „ruling family” beherrscht das Land seit 1793 und hat es in eine moderne Gesellschaft verwandelt. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 Innenstadt Abu Dhabis P1020868 Foto DBDie Innenstadt Abu Dhabis gleicht der anderer Großstädte. Nur die Straßenschilder und die Beschriftungen über den Läden verraten, wo wir sind. Eine Besonderheit fällt dem Fremden auf: Um Raser zu stoppen, sind Bodenschwellen sehr häufig. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 Wolkenkratzer P1020924 Foto DBHochhäuser und Wolkenkratzer sind in Abu Dhabi in vielen Farben und Formen zu bewundern. Ihre Architekten stammen aus allen Ländern der Welt. Einige Hochhäuser sind für Besucher geöffnet und bieten von ganz oben weite Rundblicke über Land und Meer. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 Baustile P1030169 Foto DB 17310 Gazelle und Heli P1020850 Foto DB
Abu Dhabi ist eine Stadt mit vielen Baustilen, vom klassisch arabischen
bis zum hochmodernen. Wer die Corniche an der Küste entlangfährt,
kann sie alle bewundern. Das Bild verändert sich mit wechselndem Sonnenstand im Lauf des Tages. Gegen die glühende Hitze des Sommers
sind alle Gebäude mit Klimaanlagen versehen.
 Foto: Dieter Bromund, Bremen
In der Stadt Abu Dhabi leben Gazellen wie einst, als hier noch die Wüste herrschte. Sie grasen zum Beispiel in der Nähe des Emirate’s Palace, einem der größten Hotels der Stadt, in dem auch Staatsgäste absteigen. Die Tiere lassen sich selbst vom Lärm startender oder landender Hubschrauber nicht vertreiben. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 echter Rasen P1020922 Foto DBEchter Rasen vor dem Eingangsbau des zukünftigen Palasts der Herrscherfamilie. Hier trainieren auch deutsche Fußballmannschaften aus der Bundesliga. Die hohe Palme ist die Verkleidung eines Sendemastes, der Handys versorgt. Ohne mobile Telefone wäre in Abu Dhabi das Zusammenleben undenkbar. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 Bohrturm P1030090 Foto DB 17310 kuenftiges Wahrzeichen P1030096 Foto DB
Weit weg in einem Hafenbecken Abu Dhabis warten Bohrtürme darauf,   nach Überholung wieder auf See eingesetzt zu werden. Das Land lebt     vom Öl, doch der Besucher spürt davon nichts und sieht auch nicht, wo     und wie es gewonnen und verschifft wird. Foto: Dieter Bromund, Bremen Noch im Bau ist eins der zukünftigen Wahrzeichen Abu Dhabis. Dieses gewaltige Tor, das aus einem Science Fiction Film zu stammen scheint, enthält Wohnungen und wird von See kommenden Schiffen die Ansteuerung der Stadt erleichtern. Foto: Dieter Bromund, Bremen

17310 Strand mit Liegen P1030012 Foto DBAuf den gepflegten großen Stränden des Landes muss niemand im Sand liegen. Der Beach Club bietet – gegen Bezahlung – komfortable Liegen und Sonnenschirme so weit von einander entfernt, dass man sich nicht stört. Der Service sorgt für Schatten und Drinks. Foto: Dieter Bromund, Bremen

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