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Frank Reiner im Oslofjord 0043 2 neu

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im SeereisenMagazin ·
Foto: Reiner Frank, Rostock

Rostock Warnemuende Foto HERO15 071

Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde. Foto HERO15 071 Hafen Rostock-Warnemünde

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17421 COSTA FAVOLOSA Kapitaen Carmine Maddaloni P9380 Foto Reiner FrankKapitän Carmine Maddaloni ist in Nola bei Neapel geboren und in Santa Margaritha in Ligurien zu Hause – etwa 35 Kilometer von Genua entfernt,
dem Stammsitz der Reederei Costa Crociere.
Foto: Reiner Frank, Rostock

An Bord der COSTA FAVOLOSA
Mit Kapitän Carmine Maddaloni und Marketing-Manager Hardy Puls im Gespräch
Schiffssicherheit-Training während der Liegezeit

Rostock – An Bord der COSTA FAVOLOSA ist Ruhe eingekehrt. Am frühen Morgen hatte der Kreuzliner aus Aarhus kommend am Warnemünder Terminal festgemacht. Für einen Teil der Passagiere endete die Reise, andere sind zu Ausflügen unterwegs, der Ansturm der neuen Gäste steht erst bevor. „Wir hatten auf der Schlussetappe des Sieben-Tage-Nordlandtörns sehr schönes Wetter”, berichtet Kapitän Carmine Maddaloni (57). Ansteuerung und Anlegen verliefen ohne Probleme, wobei die nautischen Bedingungen im Rostocker Hafenrevier für die Schiffsriesen besonders bei Wind durchaus anspruchsvoll wären – schließlich müsse der 290 Meter lange Cruiser in einen Flaschenhals und dann erst noch drehen. Aber allein stoppen und gleich anlegen sei auch langweilig, merkt der Italiener an. Für ihn ist das Rostocker Hafenrevier nicht neu. Bei etlichen der über hundert Anläufe von Costa-Schiffen stand er hier auf der Brücke. Bei unserer Stippvisite an Bord kommt er gerade von einer Beratung mit dem Terminalmanager des Hafens. Einen Teil der Crew hat er zu einer Fortbildung in den Rostocker Hafen verabschiedet. Im neuen Brand- und Simulationszentrum der Gesellschaft für Schiffssicherheit Ostsee trainieren die Seeleute hier Möglichkeiten der Schiffsbrandbekämpfung. Über 1.000 Mann zählt die Besatzung, das Gros dient der Betreuung und Versorgung der über 3.000 Gäste, 141 davon sind Nautiker und Techniker, bilden also das reine seemännische Personal.
Carmine Maddaloni ist in Nola bei Neapel geboren und in Santa Margaritha in Ligurien zu Hause – etwa 35 Kilometer von Genua, dem Stammsitz der Reederei Costa Crociere, entfernt. Nach dem Besuch der Marineschule in Camogli wuchsen ihm die sprichwörtlichen Seebeine aber zunächst auf Frachtschiffen. Seit 1989 ist er bei Costa angestellt und seit Indienstellung ist er einer der beiden Stammkapitäne der 2011 bei Ficantieri gebauten 114.500 Bruttoraumzahl (BRZ) großen, bis zu 3.800 Passagieren Platz bietenden COSTA FAVOLOSA, der Märchenhaften.
Bevor die COSTA FAVOLOSA am Abend Kurs auf Kopenhagen nahm, sprachen wir auch mit Hardy Puls (39), Direktor Marketing & Sales bei Costa Kreuzfahrten Deutschland. Er ist sehr zufrieden mit der aktuellen Buchungslage. Die Sommerabfahrten ab Deutschland sind so gut wie ausgebucht. Im Herbst gibt es, insbesondere im Mittelmeerprogramm, aber auch noch einige freie Kapazitäten. Costa bietet in diesem Jahr 37 Anläufe in allen vier deutschen Häfen, elf neu in Bremerhaven mit der COSTA MAGICA, 16 ab Warnemünde mit der COSTA FAVOLOSA, sowie jeweils fünf von Hamburg und Kiel mit der COSTA PACIFICA. Der Anteil der deutschen Passagiere liegt je nach Zeitraum für die Norwegen-Kreuzfahrten der COSTA FAVOLOSA bei 50 und 75 Prozent.
Hardy Puls erinnert daran, dass im vergangenen Jahr in Deutschland der 100. Anlauf eines Costa-Schiffes in Rostock und 40 Jahre Costa in Kiel gefeiert werden konnten. Das habe verdeutlicht, wie sehr die Reederei hier in Deutschland verwurzelt sei. Die Verbindung über den Flughafen Laage laufe gut, der gebotene Service sei bestens, bestätigt Massimo Callegari, Direktor Travel Service Department bei Costa. In einem Jahr gibt es mit Hin- und Rückflügen hier immerhin 20.000 Passagier-Bewegungen. www.costakreuzfahrten.de · Reiner Frank

17421 COSTA FAVOLOSA in Warnemuende P9390 Foto Reiner FrankDie COSTA FAVOLOSA liegt am Cruise Center in Warnemünde. Davor pendelt die Fähre WARNEMÜNDE von Warnemünde zur Hohen Düne.
Foto: Reiner Frank, Rostock

 

17421 H H Diestel quer Foto Reiner Frank RostockDer Rostocker Kapitän Hans-Hermann Diestel (74) lotet auf der Fährfahrt dunkle Kapitel der Schifffahrt aus. Foto: Reiner Frank, Rostock

Mord und Totschlag an Bord
 Von Piraterie, Meuterei und Überschmugglern

Rostock, 3. Juli – An Bord der Scandlines-Fähre BERLIN ging es kürzlich um „Mord und Totschlag”. Im Rahmen einer Vortragsreihe auf dem zwischen Rostock und Gedser pendelnden Schiffs referierte Kapitän Hans-Hermann Diestel (74) zum Thema Kriminalität auf See. Von der Meuterei auf der BOUNTY anno 1787 bis zum schweren Unfall der COSTA CONCORDIA 2012 war der Spannungsbogen weit gesteckt und fand reges Interesse bei den zahlreichen Gästen im Vortragsraum der Fähre, die sich beim maritimen Erlebnis der Überfahrt zugleich über ein dunkles Kapitel der Schifffahrt – über Kriminalität, Überschmuggler, Piraterie und Terrorismus auf hoher See – informieren konnten. Allein die Piraterie vor Somalia kostete nach Recherchen des Rostocker Kapitäns in vier Jahren 62 Tote. Für andere Gekaperte war viel Lösegeld zu zahlen oder sie kamen erst durch Marineaktionen wieder frei.
So eindeutig wie die Piraterie lassen sich manche persönlichen Schicksale nicht erklären. Am 24. Juni 2010 soll die 19-jährige Kadettin Akhona Geveza in kroatischen Gewässern über Bord der SAFEMARINE KARIBE gefallen sein. Sie hatte vorher beim Kapitän den Ersten Offizier der Vergewaltigung bezichtigt. Zusammenhänge drängen sich da auf, müssen aber erst bewiesen werden. So blieb auch das Horrorr-Szenario auf MS BÄRBEL im Sommer 1993 ungeklärt. Fünf der sechs Seeleute wurden seinerzeit ermordet – der Überlebende wurde Mangels an Beweisen freigesprochen.
Auf Kreuzfahrtschiffen gingen seit 2000 etwa 200 Personen verschollen. Wurden sie Opfer eines Unfalls, waren Selbstmord oder Mord die Ursachen? Fragen, die vielfach unbeantwortet blieben. So verschwand beispielsweise auf einer Mittelmeerreise mit MSC MAGNIFICA Anfang Februar dieses Jahres die chinesische Ehefrau eines deutschen Passagiers unter mysteriösen Umständen.
Ein Problem bereiten blinde Passagiere den Schiffsführungen – es ist nicht einfach, sie wieder los zu werden. Sie gewaltsam zu entfernen, wie auf der MS RUBY, aber ist ein Verbrechen. Am 24. Oktober 1992 versteckten sich sieben Ghanaer und ein Kameruner an Bord dieses Schiffes, nur einer überlebte. Der Rest wurde, nachdem man ihnen ihr Geld abgenommen hatte, erschlagen und über Bord geworfen. Der Kapitän und Erste Offizier wurden in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt.
Mord und Totschlag bestimmen natürlich nicht tagtäglich die Seefahrt, aber Seeleute leben insbesondere auf ausgeflaggten Schiffen mit Besatzungen unterschiedlicher Kulturen oft gefährlich, weiß der Kapitän aus eigener Erfahrung. Der seemännischen Ausbildung und ihren Werten blieb er als maritimer Chronist bis heute verbunden. Er hält Vorträge, lädt zu Buchlesungen. Neun Bücher als Autor und Herausgeber tragen inzwischen seine Handschrift, das zehnte ist in Vorbereitung. Der DSR, die am 1. Juli vor 65 Jahren gegründet worden war, widmet er zudem eine Dokumentation, die ihre Probleme im Kalten Krieg veranschaulichen soll. Die Fährfahrt zwischen Rostock und Gedser verging für die Zuhörer dank seiner spannenden Erzählungen wie im Fluge. Reiner Frank

 

17421 Fluechtlinge qualifiziert P9326Das Bild zeigt Salah Hakim (l) und Muhannad Merrawi (r) mit dem Lehrausbilder Torsten Falke (m) vor den Rettungseinrichtungen der AFZ-Schifffahrts-
schule in Rostock.
Foto: Reiner Frank, Rostock

Ankerplatz nach der Flucht
Seeleute aus Syrien und Ägypten qualifizieren sich für die maritime Ausbildung / Ein Beispiel der Integration
Rostock, 28. Juni – Im Gebäudekomplex des Aus- und Fortbildungszentrums (AFZ) in Rostock-Marienehe herrscht internationales Stimmengewirr. An den verschiedenen hier gebotenen Kursen sind verstärkt auch Teilnehmer aus dem Ausland vertreten. Ein Teil von ihnen sind Flüchtlinge, die hier einen Ankerplatz gefunden haben, in dem sie sich das Rüstzeug für ihr weiteres Leben fern der Heimat erwerben können. So gibt es ein Projekt, das Flüchtlinge auf den Einstieg für Tätigkeiten in regionalen Hotels und Restaurants vorbereitet. Und ein weiteres Förderprogramm für Integration von Migranten durch Qualifizierung ist in Vorbereitung.
Auch Salah Hakim und Muhannad Merrawi haben im AFZ ihr neues Tätigkeitsfeld gefunden. Die beiden Flüchtlinge konnten 2015 den Kriegswirren in ihrer Heimat über die Türkei, Griechenland und Mazedonien nach Deutschland entrinnen. Schreckliche Erlebnisse liegen hinter ihnen, die traumatisch noch nachwirken. Muhannad verlor seine Frau und beiden Kinder und Salah hinterließ seine Eltern einem ungewissen Schicksal. Über München, Hamburg und Neumünster führte der Weg der beiden Flüchtlinge nach Flensburg. Hier wurde Volker Seibert, Geschäftsführer der ISC Training & Assembly GmbH und Prokurist des AFZ in Rostock, nach einem Gespräch mit dem Leiter des dortigen Jobcenters auf sie aufmerksam. Beide Flüchtlinge verfügen über seemännische Erfahrungen und Fachkräftemangel herrscht hierzulande auch im maritimen Bildungsbereich.
Im April absolvierten beide ein vierwöchiges Praktikum in der AFZ-Schifffahrtsschule und dem ISC mit Erfolg. Seit dem 1. Juni sind sie hier nach einem weiteren Sprachkurs als Ausbildungsassistenten tätig. An der Seite ihrer Ausbilder wie Tilo Schulz, Torsten Falke und Maren Koch sind sie nun dabei, sich Schritt für Schritt in ihr neues Aufgabenfeld einzuarbeiten. Für die Flüchtlinge wird somit praktisch ein weiterer Rettungsanker gesetzt.
Beide flüchteten aus der Küstenstadt Latakia mit dem größten Hafen Syriens. Muhannad Merrawi (32) sind hier die sprichwörtlichen Seebeine gewachsen, hat in Syrien studiert und ist von Mittelmeerhäfen aus als E-Ingenieur auf arabischen, italienischen und griechischen Schiffen auf große Fahrt gegangen. Er freut sich, dass er in Rostock in einer Stadt am Meer, die ihm sehr gefällt, eine neue Heimat und ein interessantes Tätigkeitsfeld gefunden hat. Nicht ohne Stolz trägt er die Trainingsjacke des ISC, eines mit dem AFZ inzwischen verwobenen Unternehmens, das Mitarbeiter von Firmen in die Aufgaben bei Offshore-Projekten einweist, sie für den Einsatz auf hoher See vorbereitet.
Salah Hakim (27) trägt das T-Shirt der AFZ-Schifffahrtsschule. In dieser Ausbildungseinrichtung will er künftig Seeleute ausbilden und fortbilden helfen, Personal von Kreuzlinern mit der Seenotrettung vertraut machen. Salah hat im ägyptischen Alexandria Nautik studiert, war als 2. Nautischer Offizier auf verschiedenen Schiffen auf großer Fahrt. In der Gemeinschaft des AFZ fühlt er sich gut integriert. „Alle Kollegen sind sehr freundlich und hilfsbereit”, betont er, aber merkt auch an, dass er noch viel zu lernen habe. Von der Brandbekämpfung bis zum Höhentraining, von der Handhabung der Rettungsboote und der anderen Rettungsmittel bis hin zur Freifallübung sollen schließlich die Trainer alles gut vermitteln können.
Beide Flüchtlinge machen klar, dass das ihr Ziel sei. Dabei sind Sprachbarrieren zu überwinden, wobei beide den Vorteil haben, als Seeleute bereits mit der englischen Sprache vertraut zu sein und sich inzwischen mit ihren Kollegen und Auszubildenden auch deutsch schon halbwegs verständigen können. Bernd Sturzrehm, Bereichsleiter Kommunikation/Vertrieb im AFZ, wertet ihren Werdegang und ihre Perspektive jedenfalls als Beispiel gelungener Integration. Reiner Frank

17421 WMU 140504 WMU phil Marina 54 Dr. Michael Baldauf (Bildmitte, sitzend im grauen Jackett) lehrt und forscht an der Weltschifffahrtsuniversität in Malmö und an der Warnemünder
Seefahrtsschule.
Foto: Weltschifffahrtsuniversität (WMU), Malmö

Für Sicherheit und Umweltschutz
Rostock, 28. Juni – In Schweden wurde voriges Wochenende das traditionelle Mittsommerfest begangen. Für viele Einrichtungen war so schon tags zuvor ein Feiertag. Auch in der Weltschifffahrtsuniversität (WMU) in Malmö pausierte der Studienbetrieb. So trafen wir den dort als Professor tätigen Rostocker Michael Baldauf (53) am Warnemünder Bereich Seefahrt der Hochschule Wismar an. Wie in Malmö kann er auch hier im Rahmen eines Kooperationsvertrages zwischen den Einrichtungen seine Kenntnisse in Forschungsprojekte einbringen.
Die WMU, wie die World Maritime University kurz genannt wird, kann auf 34 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Sie war 1983 auf der Grundlage einer Resolution der Weltschifffahrtsorganisation IMO aus der Taufe gehoben worden. In Malmö geht es seitdem darum, die Absolventen fit zu machen, damit sie später selber als Dozenten oder in verschiedenen Führungspositionen der Wirtschaft in ihren Heimatländern wirken können. Die Vermittlung internationaler Standards in Fragen der Sicherheit und Umwelt hat dabei oberste Priorität. Manager von Reedereien, Häfen oder Leiter aus den maritimen Verwaltungen gehen aus der Weltschifffahrtsuniversität hervor. Allein vier Verkehrsminister und der gegenwärtige IMO-Generalsekretär Kitack Lim aus Südkorea erhielten hier ihren wissenschaftlichen Abschluss, akademischen Grad. Die Absolventen bilden heute in etwa 130 Ländern ein weltweites Netzwerk maritimer Professionalität. Gegenwärtig steuern an dieser internationalen Einrichtung, die sich aus UN-Mitteln, Spenden und zukünftig auch über eine Stiftung finanziert, etwa 120 Studenten den Master-Abschluss an. Sie kommen aus Fernost, Afrika und Amerika und verschiedenen Ländern Europas. Als erster Deutscher ist Alexander Gluck, der in Warnemünde sein Bachelorstudium gemacht hatte, vertreten. Rund 60 Mitarbeiter, darunter 20 Professoren, stehen ihnen in der WMU zur Seite, die vor gut zwei Jahren in ein architektonisch imposantes Gebäude unmittelbar im Zentrum Malmös umzog. Seit dem 1. März 2009 gehört Michael Baldauf zum Lehrkörper der WMU – zunächst als Assistenz-Professor, inzwischen als Associate-Professor für maritime Sicherheit und Umweltschutz.
Der gebürtige Döbelner, der in Pirna aufwuchs, begann seine berufliche Laufbahn 1980 mit der Lehre bei der Deutschen Seereederei (DSR). Danach studierte er an der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow, die nach der Wiedervereinigung kurz zur Universität Rostock gehörte, promovierte in Wuppertal zum Thema Kollisionsverhütung und fuhr zwischenzeitlich unter anderem auf dem Saturn-Frachter THÜRINGEN als Nautiker zur See.
Die Lehre und Forschung stand fortan im Mittelpunkt seiner beruflichen Entwicklung. Er beteiligte sich an Forschungsprojekten der EU, fand seine Basis dafür am Warnemünder Fachbereich Seefahrt, wo der Gründungsdekan Prof. Knud Benedikt eigens dafür das Institut für Innovative Schiffssimulation und Maritime Systeme (ISSIMS) auf den Weg gebracht hatte. Von ihm übernahm Michael Baldauf gemeinsam mit Dr. Michael Gluch auch den Staffelstab für die Leitung dieser Forschungsgruppe, deren Projekte internationale Anerkennung finden.
So geht es gegenwärtig unter anderem um die Modellierung von Motorprozessen, um Emissionen und den Brennstoffverbrauch beim Manövrieren von Schiffen (MEMBRAN) abschätzen zu können. Mit einem weiteren Projekt unter dem Kürzel MTCAS wird die Übertragung technisch-technologischer Kollisionsverhütungssysteme aus der Luftfahrt in den maritimen Bereich untersucht. Das Ziel: eine zuverlässigere Gefahrenerkennung und somit verbesserte Alarmierungsmöglichkeiten.
An der WMU in Malmö steht gegenwärtig auch die E-Navigation bis hin zum autonomen Schiffsbetrieb im Blickfeld. Forscher aus Skandinavien und Fernost würden sich damit verstärkt beschäftigen. Besonders in Finnland und Norwegen ist die Entwicklung autonomer Schiffe bereits sehr weit, erklärt Baldauf und berichtet auch von Erfahrungen aus Korea, Japan und China mit dem Einsatz von Drohnen zur Überwachung der Schifffahrt in stark frequentierten Küstengewässern, um Strandungen und Kollisionen noch besser vorzubeugen. Reiner Frank

 17321 BERLIN und PETER PAN P9095 Foto Reiner Frank RostockIm Rostocker Hafen: Links die BERLIN von Scandlines, rechts die PETER PAN von TT-Line. Foto: Reiner Frank, Rostock

Zu Saisonbeginn haben die Fähren ihre Frequenzen erhöht
Fährreeder verjüngen ihre Schiffe · Stena Line setzt Signal für Bahnkunden · Zwei Jubilare · TT-Line von Swinemünde nach Bornholm
Rostock, 25. Mai 2017 – Die Neubauten von Scandlines bestimmen den Pulsschlag des Umschlaggeschehens im Rostocker Hafen maßgeblich mit. Wie ein Uhrwerk ziehen die Hybridfähren BERLIN und COPENHAGEN ihre Bahn zwischen Rostock und Gedser. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Frachtverkehr auf dieser Strecke ein Plus von 16 Prozent und auch die Zahl der Pkw stieg um 9,1 Prozent. Das Jahr sei zufriedenstellend angelaufen und über das ganze Jahr werde ein Zuwachs um sieben bis acht Prozent bei Lkw und vier bis fünf Prozent bei Pkw angesteuert, nennt Pressesprecherin Anette Svendsen die erklärte Zielstellung. Beide Neubauten sind inzwischen komplett ausgerüstet. Von den Vogelfliegern kehrt die PRINS RICHARD von der Verjüngungskur in Danzig wieder auf die Relation Puttgarden-Rödby zurück. Langfristig investiert Scandlines weiter in Umwelttechnologien, sieht im Hybrid-System die Technik von heute und in emissionsfreie Fähren die Zukunft von morgen.
Auch die Stena Line, die ihre deutschen Aktivitäten in einem neuen Büro im Rostocker Seehafen bündelt, hat ihre Schiffe verjüngt. So wurde unter anderem das Eisenbahndeck der MECKLENBURG-VORPOMMERN umfassend repariert. „Die Investition war ein Signal an unsere Bahnkunden, dass wir für sie weiterhin ein guter Partner sein wollen”, erklärt Geschäftsführer Ron Gerlach. Modernisiert wurde auch die SASSNITZ, wo für die Passagiere insbesondere die Restaurantbereiche aufgefrischt und Entertainment-Möglichkeiten ausgebaut wurden, um die Überfahrt kurzweiliger zu machen. Auf der Route Kiel-Göteborg, wo insbesondere die STENA GERMANICA mit ihrem Methanol-Antrieb Furore macht, wurde der 50-jährige Fährbetrieb begangen. Trotz der Werftzeiten der Schiffe sei die Saison insbesondere im Frachtverkehr, aber auch in der Passage gut angelaufen, was auch dem Swap-Agreement mit der TT-Line geschuldet sei, betont Gerlach. Zur Saison wurde nun die Frequenz erhöht.
Für die TT-Line begann das Jahr 2017 mit einem feierlichen Anlass: „Unsere Rostock-Route beging ihr 25-jähriges Jubiläum”, erinnert TT-Geschäftsführer Bernhard Termühlen. Alles begann am 9. Januar 1992, als 266 bunte Trabis im Rostocker Hafen an Bord der MARCO POLO fuhren. „Die täglich drei Abfahrten von damals haben sich mittlerweile auf bis zu sechs je Strecke verdoppelt, was durch die 2017 fortgeführte Kooperation mit der Stena Line möglich ist”, erklärt auch Termühlen. Damit wird den Kunden weiterhin mehr Flexibilität bei der Wahl ihrer Abfahrtszeit geboten. Auch TT-Line meldet Modernisierungen ihrer Flotte. So wurden die öffentlichen Bereiche der Schiffe TOM SAWYER und HUCKLEBERRY FINN Verjüngungskuren unterzogen. Mit der PETER PAN erhielt ein weiteres Schiff der Flotte einen Scrubber. Damit ist die Hälfte der TT-Liner mit umweltschonenden Abgaswäschern ausgestattet.
Vom 24. Juni steuert TT-Line mit der NILS DACKE von Swinemünde jeweils samstags die Ferieninsel Bornholm und somit ein neues Ziel an. Die neue Route ist zunächst nur für die Sommersaison geplant und könnte insbesondere für Berliner eine Alternative zum Bornholm-Verkehr über Sassnitz sein. Die Seezeit beträgt fünf Stunden.
Konkurrenz für die dänische Reederei Färgen, die mit ihren Fähren HAMMERODDE und POVL ANKER Sassnitz mit Rönne verbindet. Die Saison sei mit drei Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr aber gut angelaufen und die weiteren Aussichten seien weiterhin vielversprechend, erklärt Färgen-Manager Jörgen Jensen. Allerdings läuft zum 1. September 2018 für Färgen der Betreibervertrag aus. Bei der neuen Ausschreibung der Route hatte Färgen gegenüber den Molslinjen aus Dänemark das Nachsehen. Eine für Passagiere interessante News hat auch Finnlines parat. Zwischen Travemünde und Helsinki werden die Abfahrten auf sieben pro Woche erhöht. Reiner Frank

 

17321 MSC Plakettentausch P9210 Foto Reiner Frank RostockPlakettenaustausch zwischen dem Rostocker Hafenkapitän Gisbert Ruhnke (links) und MSC MAGNIFICA-Kapitän Francesco Saverio Veniero.
Foto: Reiner Frank, Rostock

Auftakt zu 16 Reisen mit MSC MAGNIFICA
Erstanalauf der MSC MAGNIFICA in Warnemünde / Plakettenaustausch / Kapitän Saverio berichtet vom Flottenausbau / Passagierwechsel
Rostock, 13. Mai 2017 – Eines der Kreuzfahrtschiffe, die in dieser Saison wiederholt die Szenerie am Warnemünder Kai bestimmen werden, steuerte am Sonnabend, den 13. Mai, erstmals Rostock an. Gleich 16 Mal macht MSC MAGNIFICA von MSC Cruises in diesem Jahr zu Passagierwechseln in Rostock Zwischenstation. Zum Erstanlauf wurde der 293,80 Meter lange, 32 Meter breite für maximal 3.223 Passagiere ausgelegte Kreuzliner herzlich von Hafenkapitän Gisbert Ruhnke und Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner begrüßt, erfolgte mit Kapitän Francesco Saverio der bei Neulingen übliche Austausch der Plaketten der Hansestadt und des Schiffes.
Der 2010 in St. Nazaire gebaute Cruiser war seinerzeit in Hamburg von Sophia Loren getauft worden. So elegant wie die prominente Taufpatin ist auch das Innenleben des Schiffes, während der äußere Gesamteindruck ein wenig durch den Kastellaufbau am Heck getrübt wird, der offenbar der Passagierkapazität geschuldet ist. Kapitän Veniero machte deutlich, dass sein Schiff innerhalb der Flotte inzwischen mittlere Tonnage sei. MSC Cruises baut die Flotte aus. In Italien nimmt das dritte von bis zu elf hochmodernen Kreuzfahrtschiffen, das im Rahmen des Investitionsplans bis 2026 in Dienst gestellt wird, Gestalt an. Dieser 323 Meter lange Cruiser verfügt über Kapazitäten für 5.179 Passagiere. Er ist das zweite Schiff der Seaside-Generation, die bei Fincantieri gebaut wird. Ihr Schwesterschiff MSC SEASIDE wird im Dezember 2017 in Dienst gestellt.
Als eines der schönsten Schiffe der Flotte, so schwärmt Hoteldirektor Michel Bellino – ein Deutscher aus Frankfurt mit italienischen Wurzeln – beeindrucke MSC MAGNIFICA mit exklusivem Design und einem hohen Anteil (knapp 70 Prozent) an Balkonkabinen. Auf dem Oberdeck wartet eine ausgedehnte Poollandschaft auf sonnenhungrige Gäste, wie wir uns bei einem Schiffsrundgang mit Scout Anna selbst überzeugen können. Das Highlight ist die Grotta Azzurra, die aus grünem Marmor und Teakholz besteht und über ein Glasschiebedach verfügt. Für Erholung und Entspannung sorgt das authentisch balinesische MSC Aurea Spa, das seine Gäste mit Wellness- und Kosmetikbehandlungen sowie Sauna und Dampfbad verwöhnt. Auch ein 4D Kino, Bowlingbahn, Fitnessstudio, Bibliothek, Panorama-Disco, Themenbars oder ein großes Theater versprechen Kurzweil an Bord. Fünf Restaurants mit mediterraner und asiatischer Küche sorgen für das kulinarische Erlebnis auf hoher See. Und das auch bei Italienern beliebte Spielcasino fehlt nicht.
Die ersten beiden Törns führen von Warnemünde zwölf Tage durch die Ostsee über die baltischen Metropolen bis nach St. Petersburg. Über Helsinki, Stockholm und Kopenhagen geht es wieder retour. Zudem stehen auch verschiedene 8-tägtige Kreuzfahrten zu den norwegischen Fjorden bzw. via Baltikum im Programm. Zwischen 50 bis 70 Prozent der Passagiere sind Deutsche, ein Teil der Passagiere wechselt auch in Kopenhagen. Am 5. Januar 2019 geht das Schiff übrigens erstmals auf Weltreise. Allerdings nicht von Warnemünde, sondern von Genua, dem Hauptsitz der Reederei. Die Reise führt in 119 Tagen über sechs Kontinente. Reiner Frank

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